Mittwoch, 17. Januar 2018

Mama-Ich





Ich wäre so gern eine Mama wie Sarah von honigdusche, die es einfach nur liebt, den ganzen Tag mit ihren beiden Kindern zu verbringen und die den Alltag immer wieder zu etwas ganz besonderem werden lässt. Die zusammen mit ihrem Mann den Schritt ins Ausland wagt und unendlich viel Energie zu haben scheint.
Ich wäre so gern eine Mama wie Anna, die BerlinMitteMom, die so warmherzig und liebevoll ist, deren Kinder immer und jederzeit ihre Freunde mitbringen und die Bude rocken können, und die dann alle mit ganz viel Essen, Spaß und Liebe umsorgt.
Oder eine Mama wie Rebecca von elfenkind, die so geduldig und liebevoll und sanft mit ihren Kindern umgeht, die ganz selten schimpft und es scheinbar immer schafft, ruhig zu bleiben. Und die dauernd was Leckeres auf dem Herd oder im Ofen hat…
Ich wäre so gern wie Lena von Segenregen, die ihre Kinder umbetet, die ihnen Nächstenliebe ganz praktisch vorlebt, die super gesund kocht und den Alltag bewusst reduziert und natürlich gestaltet…

Es gibt so viele Mamas im world wide web und in meinem persönlichen Umfeld, die ich bewundere und oft genug auch beneide für ihre Art, das Mama-Sein zu gestalten! Ich bewundere sie für ihre Sanftmut und Geduld, für tolle Ideen und Energie, für ihre Sensibilität und Achtsamkeit, für ihren Tiefgang und Humor.
Ich bewundere sie dafür, dass sie leidenschaftlich gern Mamas sind und es für sie anscheinend nichts Besseres gibt, als mit ihren Kindern zusammen zu sein. So sollte es doch sein, oder nicht?

Die Erkenntnis schmerzt, dass ich nicht so bin.
Es geht mir nicht darum, wer den schönsten Kuchen backt oder am meisten mit seinen Kindern bastelt oder wer am wenigsten schimpft – es geht mir um das Gerne-Mama-Sein. Um das Seine-Kinder-Genießen (zumindest grundsätzlich, natürlich nicht in jeder beliebigen Situation).
Bei mir ist das nicht wirklich so, glaube ich.

Für mich ganz persönlich, als „nur“ Ich, wäre meine Hochsensibilität wahrscheinlich ganz akzeptabel. Gut möglich, dass ich ohne Kinder gar nicht wüsste, dass ich hochsensibel bin. Es würde keine große Rolle spielen. Auch meine monatliche depressive Episode wäre keine große Sache; das könnte ich ganz gut abfedern.
Aber für mich als Mama sind sowohl die Hochsensibilität als auch die depressiven Phasen durchaus ein großes Problem. Ich befürchte, dass ich niemals die Mama sein kann, die ich gern für meine Kinder sein würde, dass ich niemals auch nur annähernd so eine Mama sein kann wie die Frauen, die ich sehr bewundere – weil ich hochsensibel bin und depressive Tendenzen habe.

Den ganzen Tag allein mit meinen Kindern verbringen – für mich ist das, ehrlich gesagt, keine Traumvorstellung. Im Gegenteil. Mich fordert das teilweise über meine Belastungsgrenzen hinaus und am Abend bin ich einfach nur erledigt, im negativen Sinne. Ich würde das auch so gern genießen, richtig zelebrieren und auskosten und ein Fest daraus machen – aber das kann ich nicht.
Der Lärmpegel macht mir dabei mit am meisten zu schaffen. Ich bin sehr geräuschempfindlich und kann es nur schlecht ertragen, wenn es laut zugeht. Wie ich gleich zweimal eine sehr schreiintensive Säuglingsphase überlebt habe, kann ich mir nur als ein Wunder erklären. Noch heute verursacht mir das hohe und schrille Geschrei meines Sohnes körperliche Schmerzen und ich halte es eigentlich kaum aus.
Wenn meine Tochter Freundinnen aus dem Kindergarten zu uns einladen möchte, muss ich das unbedingt rechtzeitig vorher wissen, um mich seelisch und moralisch darauf einzustellen, um Snacks und Beschäftigungsmöglichkeiten vorzubereiten und unsere Wohnung „besuchssicher“ zu machen. Ich freue mich, dass mein Kind Freunde hat – gleichzeitig sind diese Besuche für mich Stress pur und ich würde sie am liebsten vermeiden…
Neben dem Lärm strengen mich die ständigen (und in meinen Augen sinnlosen) Streitereien um dieses und jenes enorm an. Ich bin der Schlichterei längst überdrüssig und versuche, die Kinder ihre Konflikte möglichst allein lösen zu lassen – mit mäßigem Erfolg.

Als die Kinder noch kleiner waren, habe ich mich beim Spielen mit ihnen oft gelangweilt. Das klingt furchtbar, ich weiß, aber für mich war es so! Eine gewisse Zeit lang habe ich das Spiel auch genossen, besonders die Kinder dabei zu beobachten, war schön – aber ich konnte das nicht lange, geschweige denn einen ganzen Tag durchhalten. Das immerhin wird besser je älter die Kinder werden. Ich genieße es, dass die beiden immer mehr können und verstehen und dass wir uns inzwischen auch richtig unterhalten können.

Aber am schlimmsten ist für mich wohl die permanente Fremdbestimmung. Ich kann meinen Tag nicht nach meinen Vorstellungen gestalten, sondern muss mich zumindest teilweise nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder richten. Muss gerade begonnene Projekte unterbrechen oder kann sie gar nicht erst beginnen. Muss mich mit Dingen auseinandersetzen, die mich nicht interessieren. Muss Dinge tun, auf die ich keine Lust habe. Ständig rennt mir jemand hinterher, dauernd will jemand was von mir (am besten zwei Kinder gleichzeitig völlig unterschiedliche Dinge), immerzu muss ich „sofort“ irgendwas.
Mir ist klar, dass das allen Mamas so geht und für die allermeisten stellt das auch kein Problem dar. Für mich aber schon. Leider.

Und ich kann nicht (oder nur kaum) allein sein. Für eine kurze Zeit spielen die Kinder auch mal allein, aber diese Phasen sind eher selten und kurz. Und es genügt mir auch nicht, wenn die beiden im Nebenzimmer friedlich miteinander spielen – ich muss ganz allein sein. Am liebsten mehrere Stunden am Tag, einfach nur ich allein in unserer Wohnung. So kommt es, dass ich die Wochenenden manchmal gar nicht so gerne mag, weil ich da keine Minute allein sein kann und somit praktisch keine Möglichkeit zur Erholung finde. Teilweise schicke ich meinen Mann allein mit den Kindern los (was dieser, Gott sei Dank, auch sehr bereitwillig tut!), um endlich Zeit für mich zu bekommen. Natürlich habe ich am Ende trotzdem ein schlechtes Gewissen, weil mir Zeit für mich allein wichtiger war als quality time mit meiner Familie – ein permanentes Dilemma.


Das alles klingt ziemlich schrecklich. Total egoistisch.
Ich will so nicht sein.
Ich möchte nicht so eine Mama für meine Kinder sein.
Wie viel lieber wäre ich allzeit lustig und voller Energie und immer gern mit meinen Kindern zusammen!
Denn ich bin schon gerne Mama. Ich liebe meine Kinder und kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.
Gleichzeitig muss ich nicht jede Minute mit ihnen verbringen. Es ist ok für mich, sie den halben Tag nicht zu sehen. Ich brauche sogar regelmäßige Auszeiten von ihnen!
Ist das schlimm? – oder auch normal?
Bin ich deshalb eine schlechtere Mutter?
Ja, ich halte mich manchmal für eine Rabenmutter. Und habe Angst davor, dass andere mich für eine halten könnten.
Ich glaube, im Mama-Sein bin ich nicht besonders gut… vielleicht bin ich wirklich nicht so gut dafür geeignet. Weil ich so viel Ruhe und Zeit für mich brauche, weil ich Lärm nicht abkann und Fremdbestimmung und weil ich Kleinkindspiele nicht mag…
(Wie absurd ist da mein dritter Kinderwunsch, bitte?! Er ist total absurd, und trotzdem da. Nach wie vor. Gott weiß.)

Kann ich trotzdem meinen Kindern eine gute Mutter sein?
Ich versuche es.
Wenn ich nicht gerade in einer depressiven Episode stecke, klappt es vielleicht auch einigermaßen. Sonst nicht.
Ich will nicht so eine Mutter sein (= wütend, traurig, unberechenbar, gereizt, sentimental).
Und bin es doch, viel zu oft.
Und kann nicht aus meiner Haut (obwohl ich durchaus mal aus eben dieser fahre…).
Ich kann meinen Kindern nur die Mama sein, die ich bin.
Hochsensibel mit depressiven Tendenzen, unter anderem.
Ich bin eine Mama, die so viel mehr sein möchte als „nur“ Mama!
Ja, ich bin noch viel mehr – ich möchte vor allem Ich sein, und nicht immerzu nur Mama!

Das möchte ich mir mehr und mehr zugestehen. Ich bin wie ich bin, und ich bin mehr als die Mutter meiner Kinder. Ich bin immer noch die, die ich vorher war und ich entwickle mich auch unabhängig von meinem Mama-Sein weiter. Persönlich, künstlerisch, geistlich. Und ich darf auch mal „nur“ ich sein.
Wenn ich mir das erlaube und mir diese so dringend benötigten Zeiten für mich allein nehme, dann bin ich auch eine bessere Mama für meine Kinder.
Sie wissen das schon: „Mama braucht mal ihre Ruhe“, sagen sie dann, wenn sie mit Papa allein losziehen. Das versetzt mir jedes Mal einen kleinen Stich… gleichzeitig tanke ich in diesen Zeiten auf und bin, wenn sie wieder zurück sind von ihren Abenteuern, wieder bereit, voll und ganz für sie da zu sein. Ich kann wieder geduldiger, aufmerksamer, lustiger, liebevoller sein.

Es bringt nichts, wenn ich mich mit anderen Mamas vergleiche.
Aber ich will von ihnen lernen und mich von ihnen inspirieren lassen – was sie mit ihren Kindern spielen und an Regentagen unternehmen, welche Snacks sie ihnen anbieten und was in ihren Töpfen vor sich hin köchelt, welche Bücher sie vorlesen und wie sie das mit dem Fernsehen handhaben, wie sie für ihre Kinder beten und welche Werte sie ihnen ganz praktisch vorleben. Da gibt es so viel Gutes, so viel Wertvolles, auf das ich alleine nicht kommen würde und wofür ich dankbar bin.
Danke euch, ihr tollen Mamas, für diese wertvollen Einblicke in euer Sein, für eure Gedanken und Inspirationen! Eure Kinder können sich glücklich schätzen, euch zu haben!

Aber diese Mamas sind nicht ich, und sie sind nicht die Mamas meiner Kinder.
Die bin nun einmal ich, und Gott wird sich schon was dabei gedacht haben – für meine beiden und auch für mich.

Und, ganz so übel bin ich vielleicht doch nicht als Mama. Der Vollständigkeit halber sind hier noch meine besonderen „Mama-Superkräfte“*:


Zärtlichkeit und Kuscheln: Das mag ich wirklich sehr und davon kriege ich auch nicht genug. Ich würde sagen, dass ich eine sehr zärtliche Mama bin, die ihre Kinder viel küsst und umarmt und knuddelt und die ihnen auf diese Weise ihre Liebe zeigt.

Liebe Worte: Ich sage meinen Kindern jeden Tag mehrere Male, dass ich sie lieb habe. Das ist mir sehr wichtig. Ich lobe sie auch (obwohl man das ja anscheinend gar nicht machen soll), sage ihnen, wie toll/schön/klug/witzig/liebevoll/stark/mutig… ich sie finde und wie wertvoll sie sind, weil Gott sie liebt.

Die Welt erklären: Wenn den Kindern etwas auffällt oder wir etwas gemeinsam beobachten, erkläre ich es ihnen, so gut ich kann. Ich erkläre ihnen, warum ich dieses oder jenes (nicht) von ihnen möchte, warum Dinge so oder so gemacht werden, warum der Papa zur Arbeit muss oder warum der gelbe Kasten an der Ampel rhythmische Klopfgeräusche von sich gibt. Und ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie gut meine beiden das alles verstehen und in sich aufnehmen.

Vorlesen: Ich bin sehr froh, dass wir nun über die reinen Bilderbücher hinaus sind und ich Geschichten vorlesen kann! Das macht mir wirklich Spaß, und ich glaube, ich mache das auch ganz gut, mit verstellter Stimme und so…

Kreativ sein: Auch das geht immer besser, je älter die Kinder werden (denn Chaos, Unordnung und Kleckerei kann ich nicht so gut haben…). Ich mag es, gemeinsam mit den Kindern am Esstisch zu sitzen und zu malen. Oder Bastelideen herauszusuchen und dann mit ihnen gemeinsam umzusetzen. Das ist wirklich toll!

Beobachten und Bewahren: Während ich hier schreibe, lausche ich mit einem Ohr meinen Kindern, die sich im Flur unterhalten. Ich liebe ihre Unterhaltungen! Das ist so oft einfach nur herrlich! Und ich beobachte meine Kinder gern – ihre Gesichtsausdrücke, ihre Gesten, ihre Art zu spielen, einfach wer und wie sie sind. Außerdem bemühe ich mich, möglichst viele ihrer Aussprüche, Errungenschaften und Erlebnisse aufzuschreiben und für später zu bewahren. Das sind Schätze von unermesslichem Wert. Für jedes Kind führe ich ein Tagebuch, und auch unser Familienbuch führe ich mit viel Leidenschaft – für die Kinder und auch für mich.

Bewusstes Erziehen: Dass ich ein sehr reflektierter Mensch bin, äußert sich natürlich auch in meinem Mama-Sein. Ich denke viel über die Kinder und meinen Umgang mit ihnen nach, versuche schwierige Situationen zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Mein Mann und ich treffen viele unserer Entscheidungen sehr bewusst, aufgrund der Parameter, die wir für wichtig erachten (z.B. wie viel „fernsehen“ ist erlaubt, wie begehen wir Feste im Kirchenjahr etc.).

Offenheit und Sich-Entschuldigen-Können: Ich bin niemand, der sich gut verstellen kann – wenn es mir nicht gut geht oder mich etwas ärgert, merkt man mir das sofort an. Das gilt natürlich auch für meine Kinder. Bei uns zu Hause geht es mitunter ziemlich emotional zu und ich bemühe mich darum, soweit möglich alles (was sie betrifft und angeht) mit den Kindern zu besprechen. Ich nenne die Gefühle beim Namen und versuche den Kindern zu helfen, auch mit ihren eigenen vielfältigen Emotionen umgehen zu können. Ich sage ihnen, wenn es mir nicht so gut geht und manchmal weine ich auch vor ihnen. Und ich entschuldige mich bei ihnen, wenn etwas falsch gelaufen ist.






*zumindest in meinen Augen – ich weiß nicht, was meine Kinder dazu sagen würden ;) Aber ich weiß, dass sie mich so oder so lieb haben!



Donnerstag, 4. Januar 2018

Monatsspruch Januar



Für das neue Blog-Jahr habe ich mir eine Kleinigkeit ausgedacht: 
Und zwar wird es jeden Monat  einen von mir geletterten Monatsspruch* für euch zum Ausdrucken und Aufhängen geben. 

Im Januar ist der Monatsspruch gleich ziemlich lang, sodass ich versucht war, ihn zu kürzen oder zumindest die zweite Hälfte  deutlich kleiner zu schreiben. Aber nachdem ich den Vers mehrere Male gelesen hatte, wurde mir klar, dass jedes Wort bedeutsam ist und dass ich ihn genau so lettern muss. Jeder Mensch und jedes Tier, das aufgezählt wird, ist wichtig und würdig und hat ein Recht auf einen Ruhetag. Wie weise und fürsorglich von unserem Gott!

Übrigens hat dieser Monatsspruch meinen Mann und mich dazu angeregt, eine (leckere...) Sonntagstradition aufzugeben: Bisher holte er morgens vor dem Gottesdienst Brötchen, während ich zu Hause Eier kochte, Obst aufschnitt und das Frühstück vorbereitete. 
Der Sonntag soll aber ein Ruhetag sein - nicht nur für uns, sondern für alle Menschen, mit denen wir zu tun haben. Ich verstehe Gott so, dass wir an diesem Tag auch niemanden für uns arbeiten lassen sollen (wenn es sich vermeiden lässt). Dementsprechend soll der nette Bäcker um die Ecke auch nicht am Sonntag für uns Brötchen backen müssen. Sonntags essen wir jetzt eben Pancakes oder Müsli - oder vorher gekaufte Aufbackbrötchen... 

Wenn ihr möchtet, druckt euch doch den Monatsspruch in A4-Größe aus und hängt ihn gut sichtbar in eurer Wohnung auf. Wer weiß, wozu er euch inspiriert... ;)
 


Zum Aufhängen kann man übrigens gut Hosen-Kleiderbügel verwenden, oder auch ein Klemmbrett... 
In unserer Wohnung hat der Monatsspruch seinen Platz inzwischen gefunden und ich bin mir sicher, dass er uns über den Januar hinaus begleiten und beschäftigen wird.
 




*ausgewählt von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB)

Dienstag, 2. Januar 2018

Ein Wort für 2018


Genug.



Kurz vor Weihnachten gestaltete ich in meinem Tagebuch eine Seite, in der ich meine empfundene Verbindung zu den zunächst-kinderlosen Frauen der Bibel zum Ausdruck brachte: Sara und Rebekka, Rahel und Hanna und Elisabeth. Ich spürte eine gewisse Nähe zu ihnen, ihre Geschichten machten mir Mut - aber irgendwie fühlte sich das alles auch ein bisschen falsch an.

Ziemlich spät ging ich schlafen, und als ich so gerade im Übergang war zwischen Wachheit und Schlaf, da wurde mir plötzlich klar, was sich da falsch anfühlte:
Ich kann mich nicht mit Sara und Rebekka, Rahel, Hanna und Elisabeth vergleichen, denn:
Ich bin nicht kinderlos.
Ich habe zwei Kinder.

Zweimal hat Gott uns das Wunder geschenkt, dass ich schwanger wurde, zweimal durfte ich ein Kind in mir wachsen spüren, die zarten Bewegungen, die kräftigen Tritte, zweimal habe ich die Aufmerksamkeit bekommen und genossen, die so nur Schwangeren und frischgebackenen Mamas zuteil wird, zweimal habe ich ein Kind zur Welt gebracht - ich hatte zwei Babys mit unendlich weicher Haut, mit winzigkleinen Fingerchen und unergründlich tiefen Augen, die nun Kinder sind. Meine Kinder. Wunderschön und witzig und weise und laut und wild und unergründlich.

Diese Frauen in der Bibel, mit denen ich mich so gern verglichen hätte, hatten kein Kind, als sie zu Gott flehten. Das ist ein Schmerz, den ich mir zwar vorstellen kann und teilweise wohl genauso empfunden habe, der aber trotz allem nicht meiner ist! Diese Nähe, die ich spürte, die ich suchte, existiert nicht wirklich - zumindest nicht so, wie ich sie mir einbildete.

Ich war noch immer im Halbschlaf, wachte gar nicht weiter auf, aber ein Teil meines Bewusstseins verstand und verarbeitete das alles, plötzlich.
Mir fiel dieser Text von Priska ein, in dem sie darüber schreibt, dass wir es nicht mehr aushalten können, wenn etwas alle wird, wenn etwas zu Ende geht, wenn Leere entsteht. Wir wollen immer mehr, kriegen nicht genug. Dabei haben wir so viel! Wir haben genug.

Ich habe genug.
Eigentlich.

Denn offensichtlich sind mir meine zwei Kinder nicht genug. Ich will mehr.
Aus verschiedenen Gründen, die ich mir selbst kaum eingestehen mag: Ich will mich aus der Masse der Zwei-Kind-Familien abheben. Ich will "das" nochmal erleben mit Schwangerschaft und Geburt, um es diesmal wirklich zu genießen und "alles richtig" zu machen. Ich will nochmal so im Mittelpunkt stehen, mit Bauch und Baby.
Ich will mehr süßes Babylachen und weiches Babyhaar, mehr Liebe, mehr Familie. Mehr...

Dabei mangelt es mir doch an nichts.
Vielleicht ist jetzt einfach Schluss, vielleicht ist diese unsere Familie jetzt komplett.
Möglicherweise geht gerade etwas zu Ende (unser Sohn wird diesen Monat schon drei!) - und das muss ich aushalten. Weil das Leben so ist! Und weil Gott meint, so ist es genug.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, konnte ich mich trotz meines Dämmerzustandes zum Zeitpunkt der "Erkenntnis" an alles genau erinnern.
Und ich fühlte mich irgendwie anders.
Ich kann nicht sagen, dass der Kinderwunsch plötzlich verschwunden wäre, aber ich fühlte mich auf einmal versöhnt mit ihm und mit meinem Leben, mit diesem ganzen Jahr 2017, das ich zwischenzeitlich so verflucht hatte. Es war alles gut.

Und ich dachte an die bekannten Verse aus dem Predigerbuch: Alles hat seine Zeit.





Ich kann (kann ich?) anderen Frauen ihr Babyglück gönnen, mich für sie freuen, für sie da sein und manchmal auch ein bisschen froh sein, dass meine Kinder aus dem Alter raus sind - denn ich habe das alles auch schon erleben dürfen, zweimal. 
Und auch wenn es mir anders vorkommen mag: Ich habe diese Zeiten genossen. So gut ich es eben konnte. Die Schwangerschaften, die Tritte, die Aufmerksamkeit, das Wunder. 
Es waren schöne Zeiten, aber alles geht einmal vorbei. Alles hat seine Zeit: Schwanger werden und das Kind zur Welt bringen, Babys haben und große Kinder haben, fruchtbar sein und nicht mehr fruchtbar sein. 
Vielleicht ist meine Zeit für ein Baby vorbei.
Vielleicht ist sie auch nur nicht jetzt.




Ich muss nichts nachholen, und das kann ich auch nicht. Aber mich mit der Vergangenheit versöhnen und Buße tun für das, was falsch lief, das kann ich.
Das alles ist meine Geschichte - unsere Geschichte - und sie ist ja noch nicht zu Ende.
Ein Neuanfang ist möglich.


Jetzt ist meine Zeit, das Jetzt ist ein Geschenk und alles, was war und ist: mein Mann, unsere Kinder, diese kleine Familie. Ich will verhindern, dass ich in ein paar Jahren wieder bereue - dass ich zu sehr im Kinderwunsch verhaftet war und dadurch die Zeit mit den Kindern verpasste.
Jetzt ist keine Baby-Zeit - aber auch keine verlorene Zeit: Es ist Zeit, für meine Kinder da zu sein, für meinen Mann, für Familie und Freunde, für die Gemeinde und den Hauskreis und für die Menschen in unserer Umgebung, die mich brauchen. Jetzt ist Zeit für meine Kreativität, für eine neue Aufgabe - für ein neues Jahr!



Die Zukunft liegt vor mir wie ein Buch mit lauter weißen Seiten und ich fühle mich ein bisschen überfordert damit, diese zu füllen, sie zu beschreiben mit etwas, das Sinn hat. Ich weiß nicht, was kommen wird, und eigentlich weiß ich auch nicht, was ich mir wünsche für 2018.
Aber ich glaube und vertraue ganz fest, dass Gott mit mir geht, im Hier und Jetzt und auch im Morgen.
Und dass er mir genug gibt.

Noch nie vorher habe ich ein Wort für das neue Jahr ausgesucht, aber für 2018 habe ich eins. Ich habe es mir nicht wirklich selbst ausgesucht; irgendwie war mir klar, dass dieses Wort mein Motto für 2018 sein soll:
Genug

Gott gibt mir genug.
Mir wird nichts mangeln.
Ich habe so viel Grund zu danken.

Um mich daran zu erinnern habe ich eine kleine Collage auf Leinwand angefertigt und über meinen Schreibtisch gehängt.



Auch euch wünsche ich für dieses neue Jahr nur das eine:
Ich wünsche euch genug.




PS: Dieser Text beschreibt meine persönliche Erfahrung und das, was ich für mich erkannt habe - dies ist mein Weg und nicht "die ultimative Lösung" oder die Art und Weise, wie man das Thema angehen soll. Mir ist bewusst, dass manche von euch sich in einer ähnlichen Situation befinden und ich möchte euch hier auf keinen Fall belehren! Gott geht seinen Weg mit jeder von uns ganz individuell, und das, was ich aktuell erlebe, ist nicht der Weisheit letzter Schluss - ich möchte ganz einfach mit euch teilen, was mir unterwegs begegnet. Danke, dass ihr da seid!