Samstag, 11. November 2017

Unser (un)perfekter Martinstag...


In meiner Kindheit haben wir den Martinstag nicht großartig gefeiert - es gab eben den Laternenumzug und das war es dann auch. (Von meinen Tanten bekommen wir aber nach wie vor jedes Jahr am 11. November Post zum Pelzmärtel, in etwa dem fränkischen Pendant zum Nikolaus)
Schon im letzten Jahr hatte ich aber einen sehr inspirierenden und schönen Blogpost von Rebecca zum Martinstag gefunden  und wollte gern viele ihrer Ideen umsetzen, um diesen Anlass zu begehen: Weckmänner oder Gänseplätzchen backen, die Martinsgeschichte spielerisch erzählen, Laternen basteln, das Martinslied singen... Das alles stellte ich mir sehr schön und stimmungsvoll vor.
Ich weiß nicht mehr, warum, aber letztes Jahr wurde nichts daraus. Wir gingen nicht zum Laternenumzug, ich buk nichts und die Ostheimer-Figur hatte ich auch nicht besorgt (erst jetzt habe ich festgestellt, dass sie mir sowieso zu teuer ist... leider).

Dieses Jahr nun sollte alles besser werden. Festlicher, besinnlicher, besonderer.

Ich zwang die Kinder zum Laternenbasteln.
(Ich hatte zwar schon in der Kita im Schweiße meines Angesichts zwei Laternen gebastelt, aber die lagern nun einmal dort und waren heute, am eigentlichen Martinstag, für uns unerreichbar.) Die beiden Kinder wollten zwar viel lieber mit der Eisenbahn spielen, die ich erst vor ein paar Tagen aus dem Keller hochgeholt hatte, aber in meinem Martinseifer kannte ich kein Erbarmen. Glücklicherweise fügten sie sich schnell ihrem Schicksal und hatten viel Spaß dabei (die Anleitung für die sehr schlichten und leicht zu bastelnden Öllaternen habe ich auch bei Rebecca gefunden).

Außerdem lernte ich abends spät noch das Martinslied und suchte ein Rezept für Weckmänner raus. Meinen Mann instruierte ich, er solle mit den Kindern zum Martinsumzug im Britzer Garten gehen - denn, o Graus, ich leitete am Nachmittag einen Workshop und würde nicht mitkommen können. Schlimm für mein Mamaherz. Und für meine ganzen tollen Martinspläne.

Schließlich fiel mir ein, dass wir unseren Schuhkarton noch gar nicht mit Geschenken befüllt hatten und am 15. November (also am  Mittwoch!) Annahmeschluss für die Päckchen ist. Den Vormittag würden wir also nicht ganz besinnlich mit Singen, Backen und Geschichte erzählen zu Hause verbringen, sondern vollkommen gestresst im sehr unbesinnlichen Einkaufszentrum...
Mein schöner Sankt-Martins-Plan drohte zu platzen. Schon wieder!

Als wir am Frühstück saßen (immerhin gab es Pancakes!), versuchte ich es doch mit ein bisschen Martinsstimmung. Meine Tochter überraschte uns alle mit ihrer wunderschönen Version der Geschichte vom Sankt Martin und seinem geteilten Mantel. Das hellte meine Stimmung auf. Und als wir so von Armut und vom Teilen sprachen, fiel mir auf, dass es doch eigentlich sehr sanktmartinsmäßig wäre, den Vormittag für das Füllen unseres Schuhkartons zu verwenden.

Die Kinder waren sehr enthusiastisch bei der Sache und suchten wirklich schöne Dinge für "unseren" 2-4-jährigen Jungen aus.



Das Mittagessen (leider keine wärmende, selbstgemachte Kürbissuppe, sondern Zeugs aus der Tüte, schlimm!) verlief ziemlich gestresst, weil ich ja noch zu meinem Workshop musste und mein Zeugs noch nicht gepackt hatte...
Ich verließ den gedeckten Tisch also recht überstürzt und ganz unfeierlich.

Mein Liebster hatte unterdessen seine liebe Not beim Sankt-Martins-Umzug. Unzähmbare Menschenmassen schoben sich durch den dunklen Park und drohten jederzeit, eines unserer Kinder mit sich zu reißen. Der Sohn wollte seine Laterne nicht mehr tragen und die Tochter war traurig, wegen all der großen Menschen um sie herum die Performance auf der Bühne nicht sehen zu können. Ob es einen echten Martin mit echtem Pferd gab, vermochten sie beim besten Willen nicht herauszufinden. Und die Schlangen an den Fressbuden waren so dermaßen lang, dass sie beim Warten wohl hätten erfrieren müssen. Zurück zu Hause waren sie einfach nur froh, es überlebt zu haben.



Am Abend, kurz vorm Schlafengehen, unternahm ich schließlich meinen letzten Sankt-Martins-Versuch. Wir knipsten die LEDs in den Laternen an und begannen, das Martinslied zu singen.
Die erste Strophe klappte noch gut, die hatte ich ja geübt, aber danach holperte es plötzlich... Wir brauchten mehrere Versuche, bis wir das Lied endlich fehlerfrei durchsingen konnten (und ich kann euch auch sagen, wer daran schuld war: Im Liederbuch war der Text der Strophen ohne Wiederholungen abgedruckt, sodass Text und Melodie einfach nicht zusammenpassen konnten. Grrr.). Ach, das war schon lustig!


Zum Abschluss lasen wir die Geschichte vom barmherzigen Samaritaner, aus meiner uralten, tausendfach geklebten Kinderbibel - ich fand, dass diese gut zum Heiligen Martin passte.
(Der Pelzmärtel hat uns in diesem Jahr übrigens auch wieder bedacht, und den Kindern eine Adventskalendergeschichte zukommen lassen! Dieses Päckchen durften sie im Laternenschein auspacken, und die Freude war riesig.)




Nach einer kurzen Laternenprozession ins Kinderzimmer kehrte in ebendiesem auch bald Ruhe ein, und ich konnte den Tag für mich rekapitulieren.

Ich könnte den Martinstag als vermasselt ansehen.
Wieder haben wir ihn nicht so begangen, wie ich es mir in schönsten Farben vorgestellt hatte.
Wieder ohne Weckmänner, ohne schöne Familienzeit beim Laternenumzug, ohne Ostheimer-Figur, ohne Kürbissuppe, ohne Besinnlichkeit.
Stattdessen war alles ziemlich chaotisch... und unferfekt.

Oder
ich könnte unseren Martinstag als richtig gelungen ansehen.
Wir haben die Geschichte von Sankt Martin erzählt, und auch die vom barmherzigen Samaritaner.
Wir haben ein Weihnachtsgeschenk für ein Kind gepackt, das sonst keines bekommen würde -
meine Kinder haben voller Liebe Dinge in den Schuhkarton gelegt, die sie selbst sehr gern behalten hätten (eine Rolle smarties, zum Beispiel....).
Mein Liebster und meine Kinder haben ihre selbstgebastelten Laternen ausgeführt und ihre Lichter in der Dunkelheit leuchten lassen. Sie haben es überstanden, und den Kindern hat es am Ende doch gut gefallen.
Ich habe meine Zeit mit anderen Menschen geteilt, und ihnen damit (hoffentlich) einen Dienst erwiesen.
Wir haben das Martinslied nun wirklich drauf!
Und: ein minikleiner Laternenumzug in den eigenen vier Wänden ist auch sehr stimmungsvoll!


Ach, Herr, lass mich immer mehr erkennen und verstehen, worauf es wirklich ankommt!
An Sankt Martin und überhaupt.





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