Dienstag, 24. April 2018

Erinnerung an Kiserian



Sechs junge Mädchen in einem Pick-up-Käfig, der sich rumpelnd und mit wachsender Geschwindigkeit vorwärts bewegt, so dass wir uns festhalten müssen, um nicht durcheinander geworfen zu werden. Trotzdem stoßen wir uns gelegentlich Kopf, Ellenbogen und Knie. Draußen braust die Landschaft vorbei, Bäume strecken ihre dornigen Finger nach uns aus, während sich der vergitterte Himmel von Minute zu Minute verdunkelt – es ist Abend. Einzelne Mücken schwirren um unsere Köpfe. Die Sonne versinkt hinter den Bergen, die wir mit dem Geländewagen erklimmen: Wir, das sind Martin und Pastor Nelson, die vorne sitzen, und wir sechs Mädchen hinten im Käfig: Regina, Miriam, Edna, Margaret, Beate und ich. Es ist unsere erste Fahrt dieser Art, Beate und ich sind erst seit wenigen Tagen in Kiserian, Kenia, und alles ist neu und ungewohnt und aufregend. Martin möchte den Jesusfilm in einem Dorf oben in den Bergen zeigen, und Beate und ich wollten natürlich unbedingt mitkommen.

Die vier anderen Mädchen hinten auf der vergitterten Ladefläche kennen wir noch nicht, aber das macht nichts. Berührungsängste hat keine von uns. Das laute Motorengeräusch sowie das Knirschen und Rumpeln der Steine unter den Reifen machen die Unterhaltung nicht leicht, aber so schreien wir uns eben freundlich an und lächeln darüber hinweg, dass wir kaum ein Wort verstehen. Wie es denn so ist in Deutschland, wollen sie wissen – in ihrer Vorstellung ist es dort immer furchtbar kalt, so kalt, dass sie selbst dort nicht überleben könnten, und außerdem sind alle Menschen in Deutschland reich. Völlig Unrecht haben sie damit jedenfalls nicht. Sie fragen auch, ob wir schon verheiratet sind, schließlich trage ich einen verräterischen Ring am linken Ringfinger; dort, wo in Kenia normalerweise der Ehering hingehört. Ich lache und erzähle von meinem boyfriend, nicht ahnend, dass dieses Wort hier eine etwas andere Bedeutung hat, aber wie hätte ich ihre Frage sonst beantworten sollen? Beziehungen funktionieren eben überall ein bisschen anders, und wie sie hier, in Baringo, funktionieren, darüber weiß ich praktisch noch gar nichts. Die Mädchen lachen, tauschen Blicke, und ich bin irritiert, aber dann stimmt Regina ein Lied an und ich denke einfach nicht mehr darüber nach.

“Bring glory to Jesus, bring glory to Yahweh! I love you, Jesus, you are my Savior!” Regina gibt als Vorsängerin den Refrain vor, den wir anderen nachsingen, und dann wandelt sie die Strophen immer neu ab, während wir fünf den Refrain zwischendurch ständig wiederholen. Es sind wunderschöne Stimmen, so voll und laut, und es steckt so vieles in ihnen, von dem wir noch nichts ahnen: so viel Freude, aber auch Schmerz, Stärke und Stolz und Leben und Weiblichkeit… mit ihren Stimmen entführen uns die vier in eine andere Welt, in ihre Welt, mit jeder Zeile kommen wir ein bisschen mehr in Kiserian an. Beate und ich singen tapfer mit, aber die anderen Mädchen übertönen uns völlig, worüber wir ganz dankbar sind – unsere Stimmen hören sich so viel dünner an…

Irgendwann erreichen wir das Dorf und klettern von der Ladefläche. Es ist inzwischen dunkel geworden, die letzten Sonnenstrahlen werden bald verschwunden sein. Martin nutzt das verbliebene Tageslicht, um die Leinwand und den Projektor aufzubauen. Er spannt ein großes, weißes Laken zwischen die Holzträger des Vordachs der kleinen Kirche. Das Laken flattert, es ist windig, aber es hält. Der Filmprojektor steht hinten auf der Ladefläche des Pick-ups. Alles ist vorbereitet.


Aber zuerst gibt es was zu essen: Jemand drückt Martin, Beate und mir jeweils einen Teller in die Hand: Ugali und Sukuma wiki, festen Maisbrei und Gemüse –  für Beate und mich eine Prämiere. Wir setzen uns auf große Holzscheite, inzwischen kann man kaum noch die Hand vor Augen sehen, und lassen uns von Martin in die hohe Kunst des Ugali-essens einweihen. Zuallererst wäscht man sich natürlich die Hände mit dem Wasser, das die Gastgeber einem reichen. Dann bricht man mit den Fingern kleine Stücke des Ugalis ab, knetet diese in der Hand zu festen Kugeln und taucht sie in den Sukuma. Sukuma wiki, was so viel bedeutet wie push the week, ist ein beliebtes Gemüse, das in etwa Spinat oder Kohl ähnelt. Von den großen grünen Blättern wird zuerst der Stiel großzügig entfernt. Dann legt man die Blätter aufeinander und rollt sie eng zusammen, um sie nun mit einem großen Messer in möglichst dünne Streifen zu schneiden. Der Sukuma wird gemeinsam mit Zwiebelwürfeln zuerst in etwas Fett angebraten und dann mit Wasser gedünstet; oft kann man auch Tomaten, Ei oder Fleischstücke darin finden, dann schmeckt er noch besser. In Kiserian essen die meisten Menschen jeden Tag Ugali und lieben es; auch davon haben wir noch keine Ahnung.

Nach dem Essen gesellt sich Jane zu uns, ein junges Mädchen, das auch den ganzen Weg aus Kiserian gekommen war, um den Film zu sehen. Für den Rest des Abends weicht sie uns nicht von der Seite, worüber ich sehr froh bin, denn sie spricht auch Englisch und erklärt uns, was um uns herum passiert. Inzwischen haben sich allerhand Menschen um die Leinwand versammelt, Männer, Frauen und Kinder, in einem großen Halbkreis, entweder auf Holzbänken, Steinen und dem Boden sitzend oder auch stehend. Über uns allen breitet sich der schwarze Nachthimmel aus, wolkenklar, mit Millionen und Abermillionen Sternen – einen so überwältigenden Anblick des Weltalls habe ich noch nie zuvor erlebt! Ich kann sogar, zum ersten Mal in meinem Leben, Sternschnuppen aufblitzen sehen. 

Ein Mann hält eine Andacht; wir lauschen seinen Worten und genießen den Moment: mit etwa 200 Menschen mitten in der Abgeschiedenheit der Berge unter sternklarem Himmel zu sitzen, als wäre das das selbstverständlichste von der Welt! Na ja, für die allermeisten von uns ist es das auch.
Nun kommen auch die Moskitos – so ein Festmahl können sie sich unmöglich entgehen lassen… Einmal spüre ich eine kleine Hand, die sich von hinten auf meinen Arm legt und mir durch die Haare fährt, ganz vorsichtig, nur einmal die Mzungu berühren… 

Jetzt legt Martin endlich die erste Filmrolle ein und es kann losgehen. Gezeigt wird der Jesusfilm, den Beate und ich auch aus Deutschland kennen, gewissermaßen ein internationaler Klassiker, der hier von einem Sprecher auf Maa (der Sprache der Maasai) erzählt wird, während die Bilder auf der Leinwand vorbeirauschen. Es kommen immer mehr Menschen dazu, alle drängen sich zusammen, wir staunen gemeinsam – manchmal lachen die Leute auch auf oder machen Laute der Empörung. 
In einer Szene kann man für einen kurzen Moment im Menschengewühl Jerusalems einen Mann mit dunkler Hautfarbe erkennen – da geraten die Zuschauer in helle Begeisterung. Irgendwann bricht der Film ab – Martin muss die Filmrolle wechseln. Um die Pause zu überbrücken, stimmt eine Frau irgendwo in der Menge ein Lied an, und nach und nach fallen alle mit ein in den Gesang unter den Sternen, wunderbar! 



Als der Film zu Ende ist, baut Martin den Projektor ab und packt das Laken wieder ein, wir steigen  zurück in unseren Käfig und brausen zurück, durch die schwarze Nacht. Nach einigen Minuten hält  der Pick-up: Ein anderes Fahrzeug auf dem Weg hatte eine Reifenpanne. Martin öffnet die Klappe des Autos und eine Gruppe Leute stieigt zu uns auf die Ladefläche. Jetzt wird es richtig eng, wir sitzen dicht an dicht. Die Rückfahrt erscheint mir endlos; vom langen Sitzen auf den Holzbänken tut mir der Po weh, und außerdem setzen uns die Moskitos zu. 

Es ist so finster, dass wir kaum sehen können, mit wem wir da Knie an Knie, Arm an Arm sitzen; wir werden durchgeschüttelt und stoßen uns alle möglichen Körperteile an und gehören einfach dazu. Im Dunkeln sind alle Katzen grau. Und alle Menschen schwarz. Auf der Rückfahrt singen und reden wir nicht. Wir hängen wohl alle unseren Gedanken nach. Es war ein besonderer Abend, ich weiß es alles noch ganz genau...








Freitag, 20. April 2018

1000 Fragen (#15)



281. Malst du oft den Teufel an die Wand?
Manchmal geht das Kopfkino ein bisschen mit mir durch, aber im Großen und Ganzen schaffe ich es, Situationen recht realistisch einzuschätzen und hoffnungsvoll durchs Leben zu gehen.

282. Was schiebst du zu häufig auf?
Telefonate. Behördenkram. Hasse ich. Unliebsame Hausarbeiten (wie Fensterputzen oder Schränke auswischen oder solche Sachen).

283. Sind Tiere genauso wichtig wie Menschen?
Tiere sind genauso wie wir Menschen Geschöpfe Gottes. Aber der Wert eines Menschen geht meiner Meinung nach noch darüber hinaus, einfach weil er als Ebenbild Gottes geschaffen ist.

284. Bist du dir deiner selbst bewusst?
Manchmal werde ich mir meiner selbst bewusst, wenn ich irgendwo mein Spiegelbild sehe oder merke, dass ein Blick auf mir ruht. Das ist aber eher ein Bewusst-werden meines Körpers, glaube ich. Und ich muss sagen, dass ich diese Momente unangenehm finde.

285. Was war ein unvergesslicher Tag für dich?
"Wir erinnern uns nicht an Tage, wir erinnern uns an Augenblicke." Dieses Zitat von Cesare Pavese kann ich gut nachvollziehen. Es sind nämlich nur einzelne Momente, die mir unvergessen sind: Das erste Mal mein Kind im Arm halten, ein Sonnenaufgang in Kenia, hoch oben auf einer Burg in Portugal mit meinem Liebsten... 

286. Was wagst du nicht dir einzugestehen?
Das kann ich mir ja nicht eingestehen...

287. Bei welcher Filmszene musst du weinen?
Bei vielen. Es muss nicht immer jemand sterben oder ein schnulziges Liebesgeständnis machen, um mich zum Weinen zu bringen. Manchmal sind es ganz kleine, für andere Zuschauer unscheinbare Momente, die mich sehr berühren. Aber es kommt auch ein bisschen auf meine Stimmung und die Umgebung an, ob ich bei einem Film weine.

288. Welche gute Idee hattest du zuletzt?
In den kleinen Blumenladen im Krankenhaus (ich habe dort jemanden besucht) reinzugehen - dort habe ich richtig schöne "Antiquitäten" gefunden: eine alte Sauciere mit zartem, blauem Muster, ein kleines Tellerchen und drei Silberlöffel. Ganz günstig und einfach schön, perfekt für meine Vintage-Liebe ;-)

289. Welche Geschichte würdest du gern mit der ganzen Welt teilen?
Das sind so einige - vor allem Dinge, die ich in Kenia erlebt habe. Vielleicht träume ich deshalb davon, mal ein Buch zu schreiben...

290. Verzeihst du anderen Menschen leicht?
Es kommt darauf an... manchmal muss ich häufiger dafür beten, vergeben zu können, aber das tue ich dann auch.

291. Was hast du früher in einer Beziehung getan, tust es heute aber nicht mehr?
Die Beziehung, in der ich gerade lebe, ist gleichzeitig auch meine allererste. Aber da lernt man natürlich auch dazu. Ich glaube, ich rede mehr mit meinem Mann, erkläre ihm, was ich denke und fühle, anstatt von ihm zu erwarten, dass er alles einfach so verstehen muss.

292. Was hoffst du, nie mehr zu erleben?
Eine postnatale Depression. Und am liebsten auch nie mehr PMS...

293. Gilt für dich das Motto "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß?"
Nicht grundsätzlich, aber manchmal tue ich schon so, als hätte ich etwas bei den Kindern nicht gesehen, um nicht schimpfen zu müssen...

294. Wie wichtig ist bei deinen Entscheidungen die Meinung anderer?
Es ist mir wichtig, dass die wichtigen Menschen meines Lebens die wichtigen Entscheidungen unterstützen bzw. gutheißen können. Aber ansonsten lerne ich mehr und mehr, unabhängiger von der Meinung anderer zu werden - besonders, wenn es sich um Leute handelt, mit denen ich gar nicht viel zu tun habe. Es ist mein Leben, ich bin dafür verantwortlich, und für die Menschen, die mir anvertraut sind - ich bin vor Gott verantwortlich, und vor ihm allein.

295. Bist du ein Zukunftsträumer oder ein Vergangenheitsträumer?
Spontan hätte ich gesagt "Zukunftsträumer" - aber ich glaube, die Vergangenheit kommt in meinen Tagträumen ungefähr genauso oft vor wie die Zukunft.

296. Nimmst du eine Konfrontation leicht an?
Nein (bitte tu mir nichts!)

297. In welchen Punkten unterscheidest du dich von deiner Mutter?
Meine Mama ist ein sehr praktischer Mensch; sie grübelt nicht so viel nach, sondern macht einfach und steht dann auch dazu. Sie ist ziemlich selbstbewusst und positiv, sie hat keine melancholische Seite, so wie ich. Meine Mama war auch eine richtige "Vollblut-Mama" und Hausfrau, was ich von mir nicht so sagen kann.

298. Wo bist du am liebsten?
Zu Hause. Und am Meer.

299. Wirst du vom anderen Geschlecht genug beachtet?
Genug... was heißt denn "genug"? Ich werde von Männern nicht besonders beachtet, und manchmal finde ich das schade, aber meistens denke ich nicht darüber nach.

300. Was ist dein Lieblingsdessert?
Mousse-au-chocolat.  Und frisches Obst. (Erdbeeren wären jetzt toll... ach....)




Mittwoch, 18. April 2018

DIY: Eine tierische Kette für Kinder


Gerade stehen bei uns einige Kindergeburtstage auf dem Plan, und als ich auf der Suche nach passenden Geschenken im Spielzeugladen stand, fiel mir die tolle Tierfigur-Kette ein, die ich mal auf Pinterest gesehen hatte. Also kaufte ich ein Lämmchen und ein Lederband, Holzperlen hatte ich noch zu Hause, und fädelte alles zusammen. Fertig ist eine schicke Kette, mit der man sogar spielen kann!




Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Welches Tier man verwendet, welches Band, ob Perlen oder nicht (und wenn ja, welche)... man kann die Ketten ganz nach Geschmack des Geburtstagskindes gestalten. Eine Idee wäre auch, mehrere Tierfiguren, Lederbänder und eine Auswahl an Perlen zu besorgen und die Geburtstagsgäste selbst ihre tierischen Ketten basteln zu lassen. Und für das Osternest im nächsten Jahr wäre dieser Schmuck auch eine schöne Idee, nicht nur für meine Tochter ;-)




Wie findet ihr die Lämmchen-Kette? Und was verschenkt ihr gerne zum Kindergeburtstag?



Freitag, 13. April 2018

1000 Fragen (#14)



261. Über welche Themen unterhältst du dich am liebsten?
Ehrlich gesagt, über meine Kinder... ist das schlimm? Ansonsten mag ich sehr gern Gespräche über einen Bibeltext oder generell den Austausch über Bücher, aber auch über Kunst oder Kreativtechniken - Dinge, für die ich mich interessiere und mit denen ich mich ein bisschen auskenne.

262. Kannst du leicht Fehler eingestehen?
Es kommt ein bisschen darauf an, welcher Person gegenüber. Bei manchen fällt mir das schwer, aber generell glaube ich, kann ich das schon.

263. Was möchtest du nie mehr tun?
Meine Kinder anschreien.

264. Wie ist dein Gemütszustand üblicherweise?
Schwankend... das ist meine Normalität.

265. Sagst du immer die Wahrheit?
Puh, ich bemühe mich darum. Aber immer wäre auf jeden Fall gelogen...

266. Was bedeutet Musik für dich?
Musik ist für mich das vielleicht beste Motivationsmittel und ein sehr guter Stimmungsaufheller. Ich höre Musik oft nebenbei, aber dabei entscheide ich oft bewusst, was ich hören möchte, welche Töne und Texte mir gerade gut tun. Es fällt mir schwer, bei guten Liedern, die ich kenne, nicht mitzusingen. Ich liebe es, zu singen. Das Singen ist für mich ein Ausdrucksmittel, fast so wie Schreiben oder Malen. Und auch wenn ich nicht unfassbar gut singe, hätte ich richtig gern eine Band ;-)

267. Hast du schon mal einen Weinkrampf vorgetäuscht?
Nein. Nicht nötig, ich bin sowieso nah am Wasser gebaut.

268. Arbeitest du gern im Team oder lieber allein?
Da kommt es wirklich sehr auf die Leute an... aber tendenziell eher allein.

269. Welchen Fehler verzeihst du dir immer noch nicht?
Es fällt mir generell schwer, mir etwas zu verzeihen. Das können ganz kleine Dinge sein. Teilweise sind das sogar "Fehler", für die ich eigentlich nichts kann, wie zum Beispiel den schwierigen Start in das Leben mit Kind.

270. Welche Verliebtheit, die du empfindest, verstehst du selbst nicht?
Aktuell bin ich in meinen Mann verliebt, und da gibt es nichts zu verstehen.

271. Denkst du intensiv genug über das Leben nach?
Ja, ich würde sagen, vielleicht sogar ein bisschen zu intensiv und zu viel. Wenn man überhaupt nicht nachdenkt, ist das sicherlich nicht gut, aber nur durch intensives Nachdenken wird das Leben nicht besser. Es geht eher darum, gewonnene Erkenntnisse umzusetzen und "intensiv zu handeln"...

272. Fühlst du dich manchen Leuten gegenüber unsicher?
Ja. Vielen eigentlich... 

273. Bist du autoritätsgläubig?
Immer weniger. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der "Gehorsam" eine wichtige Rolle gespielt hat, und ich empfinde Autorität nach wie vor nicht als grundsätzlich negativ. Aber ich hinterfrage sogenannte "Autoritäten" heute mehr als noch vor 10 Jahren.

274. Bist du gern allein?
Ja.

275. Welche eigenen Interessen hast du durchgesetzt?
Hm, ich setze sicherlich immer wieder meine eigenen Interessen durch, aber konkret fällt mir zu der Frage nichts ein.

276. Welchen guten Zweck förderst du?
Für mich als aktuell nicht besonders gesellschaftlich engagierte Person eine schwierige Frage... ich versuche, Jugendliche in ihrem Glaubensleben zu begleiten und ihnen die Bibel lieb zu machen. Hier auf meinem Blog "fördere" ich Kreativität und Bücherliebe, wenn man das so sagen kann, und möchte damit Jesus groß machen.

277. Wie sieht dein Traumhaus aus?
Da habe ich keine sooo konkreten Vorstellungen, außer dass es alt und ein bisschen verwunschen ist und genug Zimmer hat für uns alle und für Gäste. Ich brauche natürlich ein Atelier, und einen richtig großen Esstisch fände ich schön. Und hell muss es sein, das ist ungeheuer wichtig.

278. Machst du leicht Versprechungen?
Nein. Wenn für mich absehbar ist, dass ich etwas nicht schaffen kann oder ich gar nicht vorhabe, etwas zu tun, dann halte ich mich vage.

279. Wie weit gehst du für Geld?
Mir sind wirklich andere Dinge wichtiger. Ich würde keinen Job annehmen, der mir überhaupt nicht zusagt, nur weil er richtig viel Geld bringt (solange wir nicht in einer akuten Notlage stecken). Und auch sonst wäre Geld allein für mich kein Argument für irgendwas, das man mir anbieten könnte.

280. Bist du häufig eigensinnig, auch wenn es zu deinem Nachteil ist?
Noch so eine Frage, zu der mir nichts einfällt, sorry...



Mittwoch, 11. April 2018

Selbst gemachte Collage-Papiere


Materialien im Künstlerbedarf können ganz schön ins Geld gehen - Farben und Papiere in guter Qualität kosten eben einiges! Mit der Zeit habe ich aber herausgefunden, wie ich sparsamer mit meinen Materialien umgehen und daraus sogar eigenes Kreativmaterial herstellen kann.

Collage-Papier in allen möglichen Farben und Mustern gibt es nicht nur im Künstlerbedarf zu kaufen, man bekommt sie manchmal sogar beim Discounter, dann sogar sehr günstig. Ich gebe dafür inzwischen trotzdem kein Geld mehr aus, sondern mache meine Papiere selbst. Dabei spare ich nicht nur Geld, sondern vermeide auch Verschwendung von Acryl-Farbe und habe am Ende sehr individuelles Papier mit meiner persönlichen Note.


Die selbst hergestellten Papiere verwende ich sehr gern in meinem Art Journal, aber auch auf Mixed Media Leinwänden. Entweder ich reiße Stücke davon ab und klebe sie farblich passend auf den vorbereiteten Hintergrund, oder ich schneide geometrische Formen aus und erstelle damit ein interessantes Muster.




Bevor ich mit der Gestaltung einer Art Journal-Seite beginne, lege ich immer etwas Papier unter die jeweiligen Seiten, um das restliche Journal vor der Farbe zu schützen. Damit schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn das "Schutz-Papier" bekommt mit der Zeit (ich verwende dieselben Blätter mehrmals) durch die darauf landenden Farbspuren einen interessanten Look. Das so entstandene bunte Papier kann ich auch als Collage-Papier verwenden.



Früher habe ich für das Malen mit Aycrylfarben immer eine Palette oder eine alte Untertasse verwendet. Leider ist einmal getrocknete Acrylfarbe für den weiteren Gebrauch verloren, und so habe ich mich doch oft geärgert, wenn zu viel Farbe auf der Palette landete und dann übrig blieb (tendenziell verbrauche ich weniger als ich denke, weil die Farben wirklich sehr ergiebig sind).

Da habe ich jetzt dazu gelernt und verwende nur noch Papier als "Mischpalette" meiner Farben. Es ist vollkommen egal, welches Papier: Ich nehme gern bedrucketes oder schon einmal benutztes Papier, gerne auch Blätter mit Linien oder besonderes Papier wie Transparentpapier (dann wird das Collage-Papier einfach noch interessanter).
Darauf gebe ich die Farben, und kann direkt mit dem Mischen und Malen loslegen.




Wenn meine Art Journal-Seite fertig ist, habe ich für gewöhnlich noch ein paar Farbreste auf meinem Misch-Papier übrig. Darüber ärgere ich mich jetzt nicht mehr - denn daraus wird ein neues Collage-Papier!


Ich verteile die übrige Farbe kreuz und quer mit dem Pinsel, dabei kann man sich richtig austoben (man muss nur je nach Farbton-Kombination darauf achten, dass am Ende nicht ein hässlicher brauner Matsch entsteht...). Oft gestalte ich auch einfache Muster mit den Farbresten und setze am Schluss schwarze Akzente. Zur Zeit mache ich auch gern mit der Spitze des Pinselstiels schriftähnliche Kritzeleien in der noch feuchten Farbe - das ergibt eine schöne Struktur. Überhaupt ist es schön, wenn an manchen Stellen die Farbe etwas dicker auf dem Papier verbleibt, eben wegen der besonderen Struktur.
Es gibt viele Möglichkeiten, mit den Farbresten auf dem Papier zu verfahren: Man kann das Papier zerknüllen und wieder auseinander falten, die Acrylfarbe mit einer Farbrolle verteilen (wenn man wirklich viel Farbe übrig hat) oder auch kleine Drucke herstellen z.B. mit Luftpolsterfolie oder einer Gelli Plate (Druckplatte).



Jetzt muss das neue Collage-Papier nur noch trocknen und kann dann weiterverwendet werden!

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Ich habe für meine Art Journal-Seite ein anderes Collage-Blatt benutzt, das ich schon vor einiger Zeit hergestellt habe. Farblich sollten die Papiere natürlich zum Hintergrund passen, aber da ich meistens dieselben Farben verwende, habe ich da eine große Auswahl zur Verfügung.


In diesem Fal habe ich mich entschieden, Formen aus dem Collage-Papier zu schneiden und diese auf den vorbereiteten Hintergrund zu kleben.





Jetzt war die Seite schon fast fertig: Es fehlten nur noch ein paar wilde Linien mit Buntstiften, um alle Elemente miteinander zu verbinden, und ein gestempelter Bibelvers für die "Message" - das war's!
So habe ich nicht nur eine Doppelseite in meinem Art Journal gestaltet, sondern auch zwei neue bunte Collage-Papiere.




Eine weitere Idee für die Verwendung von selbst gemachten Collage-Papieren ist natürlich, eine "richtige" Collage daraus zu machen! Hier habe ich ein Blumenbouquet zuerst grob vorgezeichnet, und dann die Formen aus meinen eigenen Papieren ausgeschnitten und aufgeklebt. Inspiriert wurde ich dazu von Wendy Brightbill, einer Künstlerin, deren Arbeiten ich einfach nur liebe und bewundere!  Diese Technik hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und ich werde das bestimmt noch häufiger ausprobieren.




Viel Spaß euch beim kreativen Austoben!