Montag, 26. Juni 2017

Bücherliebe im Sommer

Sommerzeit ist Ferienzeit ist Bücherzeit - zumindest für mich! In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mich wieder häufiger in wunderbare Buchstabenwelten vertieft und möchte euch ein paar Lesetipps weitergeben. Vielleicht findet ihr ja etwas für eure Urlaubsbibliothek. Das würde mich sehr freuen!


Schreib deine Lebensgeschichte spannender: A Million Miles in a Thousand Years 
von Don Miller


Auf dieses tolle Buch hat mich die liebe Anne von anny-thing aufmerksam gemacht (hier könnt ihr ihre Rezension lesen) - danke dir dafür! 
Da ich den Autor, Don Miller, bereits durch seine Bücher Blue like Jazz und Scary Close (beide übrigens sehr empfehlenswert!), kannte und schätzte, freute ich mich auf eine weitere tiefsinnige und gleichzeitig humorvolle Lektüre - und wurde nicht enttäuscht.
Don Miller schreibt darüber, was gute (Lebens-)Geschichten auszeichnet und wie er durch ein Filmteam herausgefordert wurde, eine bessere Geschichte aus seinem eigenen Leben zu machen. Ein durchaus unbequemes, aber vor allem positiv herausforderndes und inspirierendes Buch, das Lust macht, einfach mal was Neues zu wagen und ein verrücktes Kapitel im eigenen Leben zu schreiben.


Wertvolle Gedanken für Eltern: Spielend leicht erziehen von Stefanie Diekmann


Dieser Erziehungsratgeber (der sich gar nicht unbedingt als solcher versteht) wird meinen Mann und mich in unserer Elternschaft noch lange begleiten - da bin ich mir sicher!
Als ich erfuhr, dass die liebe Steffi (die ich bei der family-Teamsitzung im vergangenen Jahr kennenlernen durfte) an diesem Buch arbeitete, nahm ich mir sofort vor, es zu lesen. Denn: Sie und ihr Mann sind leidenschaftliche Eltern mit viel Herz und Erfahrung, von denen wir so viel lernen können! Uns fehlt - wie vielen anderen jungen Eltern auch -  der Erfahrungsschatz und Lernraum der Großfamilie. In vielem sind wir auf uns selbst gestellt, auf uns selbst zurückgeworfen. Dabei braucht es doch ein ganzes Dorf, um Kinder großzuziehen. Wir brauchen erfahrene Eltern um uns herum, die uns beraten und unseren Blick auf das lenken, was wirklich zählt.
Aus Steffis Buch habe ich so viele praktische Tipps für den Familienalltag mitgenommen: "Bodenzeit", das Wörtchen "nicht" vermeiden und stattdessen klare, positive Botschaften senden, Familienregeln in feste "Formeln" fassen und mit den Kindern häufig wiederholen... Ich werde dieses Buch immer wieder zur Hand nehmen, damit ich nichts vergesse und Lösungsansätze für aktuelle Probleme finde.
Außerdem wurde ich herausgefordert, mich selbst zu hinterfragen, an mir selbst zu arbeiten und das Mama-Sein wieder neu als meine wichtigste Lebensaufgabe anzunehmen.
Sehr empfehlenswert! Danke, Steffi, für diesen tollen Begleiter durch das Abenteuer Eltern-Sein!


Spannende Strandlektüre (auch für den Ehemann ;)): The Circle von Dave Eggers


Nicht mehr ganz neu, aber doch brandaktuell ist dieser spannende Roman von Dave Eggers: Die junge Mae startet beim riesigen Internet-Konzern The Circle voll durch und scheint dabei nicht zu bemerken, in welch gefährliche Richtung sich der technische "Fortschritt" entwickelt.
Auch wenn das Buch einige Schwächen hat, lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall - und wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat, kann man das Buch sowieso nicht mehr zur Seite legen. Die Story ist wirklich fesselnd! Das fand übrigens auch mein Mann, der den Roman in Rekordzeit verschlang (und das im englischen Original!).
Nicht zuletzt ermahnt Dave Eggers, in Bezug auf moderne Kommunikationsmittel und Internetgiganten wachsamer zu sein. 


Für einen frischen Blick auf vertraute Texte: The Message von Eugene H. Peterson


Eine gefühlte Ewigkeit wollte ich mir dieses Buch schon zulegen - vor zwei Wochen hielt ich es dann endlich in Händen: eine Bibelübersetzung der ganz anderen Art.
Noch eine Bibelübersetzung? könnte man fragen, schließlich gibt es ja in unseren Breiten und Sprachen wirklich schon für jeden Geschmack und Lesetyp ein passendes Angebot. Trotzdem empfinde ich The Message als eine gelungene und notwendige Ergänzung, weil sie wirklich anders ist. Eugene H. Peterson findet frische, überraschende, poetische Worte für die altvertrauten Texte - er schenkt ihnen ein neues Kleid, das andere, unbekannte Seiten an ihnen hervorhebt.
Wenn ich The Message aufschlage (und das tue ich derzeit sehr häufig und gern), dann entdecke ich Gottes Wort wieder neu für mich, dann freue ich mich an Formulierungen, dann staune ich über Wortkunst und Wunder.
Ein Buch für alle, die sich manchmal ein bisschen bibelmüde fühlen und Altbekanntes mit unvoreingenommenen Augen betrachten wollen. Und für alle anderen auch!


Berührende Geschichte: Sommer in Brandenburg von Urs Faes


Ein (viel zu?) sommerleichter Titel für ein berührendes, wichtiges Buch über ein (mir) unbekanntes Kapitel der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten: Im Sommer 1938 begegnen sich zwei junge Menschen auf einem Landgut in Brandenburg. Sie sind Juden und bereiten sich, gemeinsam mit anderen jungen Männern und Frauen, auf die Ausreise nach Palästina und ihr zukünftiges Leben im Kibbuz vor. Die Welt innerhalb des Hachschara-Lagers wird zunehmend von der feindlichen Außenwelt bedroht: Der Krieg bricht aus und es wird immer schwieriger, Ausreisegenehmigungen zu bekommen...
Mich hat diese zarte, an sich aussichtslose Liebesgeschichte sehr bewegt: Warum durften diese jungen Menschen, die so voll Hoffnungen und Träumen waren, nicht leben? Erschütternd sind die Einschübe, die den historischen Hintergrund in seiner ganzen Grausamkeit aufdecken.
Keine leichte Lektüre, aber eine, die wichtig ist, und die sich nicht nur wegen der poetischen Sprache lohnt.


Zartbitterschokolade für Herz und Seele: Bittersweet von Shauna Niequist


Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mein Leben gern immer "süß": voller Freude und Glück und Erfolg und Wunscherfüllung. Und doch ist es nicht so. Manchmal ist das Leben bitter und schwer, wir verstehen die Welt nicht mehr - Träume zerplatzen, geliebte Menschen leiden und sterben, Hoffnungen stranden und verenden.
Shauna Niequist schreibt in diesem wunderbar ehrlichen und tröstlichen Buch darüber, dass ein immersüßes Leben gar nicht gut für uns wäre, dass erst das Bittere uns stark und mutig macht und dass Gottes Gnade uns gerade in den harten Zeiten verändert.
Bestimmt mag ich Bittersweet auch deshalb so gern, weil es unter anderem um das Thema Kinderwunsch geht. Ich fühle mich so verstanden und ermutigt durch Shauna, die inzwischen übrigens zweifache Mama ist...
Eine echte Empfehlung für dunkle Stunden!


Unser herausforderndes Hauskreisbuch über Nachfolge: Untamed von Alan und Debra Hirsch


Seit gut einem Monat beschäftigen wir uns im Hauskreis mit diesem mitreißenden (und herausfordernden) Nachfolge-Buch, und ich habe festgestellt, dass die Lektüre doch eine andere Wirkung entfaltet als wenn man das Buch für sich alleine liest (wie ich es vor ein paar Jahren getan habe). Die Autoren fordern uns dazu auf, unser Gottesbild gründlich zu überprüfen, den "wilden Messias" neu zu entdecken und die Götzen unserer Kultur vom Sockel zu stoßen - und sie geben uns Lesern viele praktische Anregungen mit auf den Weg. So bleibt es nicht beim Theoretisieren und Diskutieren: Act your way into a new way of thinking ist die Devise.
An manchen Aussagen reiben wir uns, oft fühlen wir uns ertappt, aber vor allem wird beim Lesen und Diskutieren das Feuer der Nachfolge entzündet. Es ist ein radikales Buch, das seine Spuren hinterlässt. Für unseren (zugegeben sehr jungen) Hauskreis genau die richtige Wahl!


Frohes Lesen!



Samstag, 10. Juni 2017

Das Monster und ich




Letztes Wochenende fuhren wir vier spontan nach Weimar, um unser kulturelles Versäumnis nachzuholen – bis dato waren wir nämlich noch nie in Goethes Heimatstadt gewesen (O-Ton Noemi: „Der Goethe hat ganz viel geschrieben. Das war soooo anstrengend!“ :)). Es hätten zwei ganz wundervolle Tage werden können, wenn es ein bisschen weniger geregnet und ich nicht unter heftigster PMS-Laune gelitten hätte… Weimar ist wirklich schön und wir werden gern noch einmal wiederkommen, aber dieses Stimmungstief zum Zyklusende braucht wirklich niemand.

Besonders schlimm ist übrigens die Kombination PMS und Kinderwunsch. Und eine sich verspätende Periode, so dass man sich schon in alle möglichen (bzw. unmöglichen) Szenarien hineinsteigert und einen Schwangerschaftstest kauft. Trotz heftigster PMS-Symptome. Und trotz der Diagnose, die meine Frauenärztin und auch die Ärzte im Krankenhaus in den Raum gestellt haben… der Kinderwunsch wird wohl noch lange mein Begleiter sein – etwas Genaues kann nur eine Operation ergeben.

Diese Diagnose war zunächst ein Schock für mich (ich erwähnte ja schon, dass ich mich gern in Dinge hineinsteigere). Vielleicht wird es nicht mehr klappen mit einem dritten Kind. Nicht in diesem Jahr und vielleicht überhaupt nicht mehr. Das tat weh und tut es noch.
Dann machte sich Erleichterung breit. Wenn man dem Monster einen Namen gibt, ist es nicht mehr ganz so bedrohlich: Wenigstens weiß ich jetzt, woran es liegt. Und man kann (prinzipiell) etwas dagegen tun. Die Diagnose ist nicht lebensbedrohlich. Vielleicht ist es besser so.
Ich muss abwarten – den nächsten Termin im Krankenhaus und dann vermutlich die OP. Und danach wahrscheinlich auch noch ein paar Monate.
Manchmal ist das ok. Den Großteil der Zeit lebe ich ganz gut damit. Ich habe zwei Kinder, für die ich sehr dankbar bin und die mein Herz mit Liebe füllen. Diese beiden sind mir anvertraut. Diese beiden sind meine Aufgabe.
Ich kann mir vorstellen, dass Gott jetzt etwas anderes mit mir vorhat, dass es jetzt an der Zeit ist, nach vorne zu schauen und die Schritte endlich zu gehen, die ich schon so lange vor mir herschiebe. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, mutig zu sein und eine weitere Aufgabe anzunehmen („mit meinen Pfunden zu wuchern", wie die fromme Stimme in mir es nennt).

Und dann nähert sich mein Zyklus seinem Ende. Ich zähle die Tage und warte auf die Symptome, ich horche in mich hinein und versuche zu ignorieren, was ich fühle: Es ist alles so wie immer. Meine Haut wird schlechter, ich bekomme Bauchschmerzen, meine Reizbarkeit ist wie ein grummelndes Monster, das jederzeit aufwachen und losbrüllen kann. Ich warte und hoffe und bilde mir Dinge ein und versuche, realistisch zu bleiben, ich bin enttäuscht und traurig und erleichtert zugleich.
Jeden Monat neu (seit fast einem Jahr…) frage ich mich, wie lange man das aushalten kann. Wie lange ich das aushalten kann. (Denn mir ist klar, dass manche Frauen jahrelang damit leben müssen, dass viele vergeblich warten und hoffen, und dass ich nicht weiß, wie dieser Schmerz sich anfühlt, wenn man ungewollt kinderlos bleibt!)

Dieses Mal war es besonders hart, weil meine Periode sich um zwei Tage verspätete (was absolut unüblich bei mir ist). Hoffnung keimte in mir auf, obwohl die Zeichen ganz eindeutig negativ waren – da hätte es auch keinen Test gebraucht. Es kam mir so vor, als würde mein Körper mir eine Schwangerschaft vorgaukeln wollen, als würde meine Sehnsucht nach einem Kind sich körperlich ausdrücken. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass es auch diesmal nicht geklappt hat. Das durfte einfach nicht sein.

Manchmal bin ich so wütend auf meinen Körper! Warum er nicht funktioniert, warum er nicht das tut, was er soll, wofür er doch gemacht wurde – und was er schon zweimal geschafft hat. Es fühlt sich an wie Versagen, auch wenn meinem Kopf klar ist, dass das überhaupt nichts damit zu tun hat.
Bisher hielt ich das Kinder-zeugen für eine der einfachsten Dinge der Welt: Man liebt sich, man verhütet nicht – man bekommt ein Kind. Ganz natürlich, wie von Anbeginn der Zeit.
Ein Samenkorn fällt in die Erde und kurz darauf schaut ein kleines, zartes Pflänzchen heraus. Easy peasy. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Nicht immer: Auf unserem Balkon habe ich Kapuzinerkresse ausgesät. Von acht Samen gingen sechs auf. Zwei nicht. Ich habe keine Erklärung dafür.
Und genau so ist es auch ein absolutes Mysterium, ob und wann ein Kind entsteht. Wir können es nicht bis ins letzte durchdringen, weil es ein Wunder ist. Weil wir es nicht „machen“ können, weil wir keinerlei Kontrolle darüber haben. Das fällt mir schwer. Richtig schwer. Ich war es gewohnt, mein Leben zu planen und dabei erfolgreich zu sein. Es kam (fast) immer alles so, wie ich es mir gewünscht und vorgenommen hatte. Jetzt bin ich in eine Sackgasse geraten – jedenfalls fühlt es sich für mich oft so an. Es geht nicht vor und nicht zurück und ich kann nichts tun. (Nur vertrauen, flüstert eine leise Stimme mir zu. Vertrau mir!)

Auch für meine Familie ist diese Situation nicht einfach. Eine Mama mit PMS ist eine äußerst ungeduldige, gereizte, unberechenbare Mama. Ich werde schuldig an meinem Mann und an den Kindern und zerfleische mich dabei selbst in Vorwürfen. Auch wenn der Kinderwunsch immer da ist, schwanke ich an PMS-Tagen hin und her zwischen dem sehnsüchtigen Wunsch und der abgrundtiefen Überzeugung, ein drittes Kind sowieso nicht wuppen zu können: Wie soll ich mit drei Kindern zurechtkommen, wenn mir gerade meine beiden schon zu viel sind? Ich bin dafür doch gar nicht geschaffen, ich bin total unfähig als Mutter! Gott verwehrt mir ein weiteres Kind, weil er mich für so ungeeignet hält… ich habe es einfach nicht verdient und werde deshalb nicht schwanger…
Das sind eigentlich die schlimmsten Gedanken. Obwohl mir in meinen etwas klareren Momenten durchaus bewusst ist, dass ich die Situation gerade nicht objektiv beurteilen kann. Schon jetzt, wenige Tage später, sehe ich meinen Alltag mit den beiden Kindern viel realistischer und weiß, dass ich in das Leben mit drei Kindern genauso hineinwachsen kann (und muss) wie in das Leben mit einem und dann mit zwei Kindern.

Obwohl ich schon seit einiger Zeit so stark mit PMS zu tun habe, ist mir noch nicht wirklich gelungen, auf gute Weise damit umzugehen – ich habe keine wirksamen Strategien um das Monster zu besiegen, leider.
Aber ich habe Rettungsanker, die mir an weniger guten Tagen helfen: 


Ich schreibe auf, wofür ich dankbar bin. Das ist immer eine ganze Menge.

Ich schaue mir Fotos von mir mit Babybauch (leider habe ich davon nur sehr wenige) und von unseren Kindern als Babys an. Ich erinnere mich an diese besonderen Zeiten – an das Schöne und an das Schwere – und weiß, dass diese Momente mir niemand mehr nehmen kann. Ich bin dankbar, dass ich dieses Wunder schon zweimal erleben durfte und versuche, mir das genug sein zu lassen. 

Ich genieße meine Kinder. Sie sind keine Babys mehr, aber sie haben immer noch eine unendlich weiche und zarte Haut! Ich genieße es, mit ihnen zu kuscheln, sie anzuschauen, ihnen zuzuhören, mit ihnen unterwegs zu sein. Sie sind die Schätze, die ich habe und die ich liebe – da zählt es überhaupt nicht, ob ich noch einen Schatz dazu bekomme, irgendwann, oder nicht.

Ich genieße das Nicht-Schwanger sein. Vor allem kulinarisch: Hallo, leckerer Räucherlachs, weiches Ei, Rohmilchkäse, Weißweinglas! Und all die Freiheiten, die mit größer werdenden Kindern einher gehen - das wird alles wieder anders, wenn doch noch ein kleiner Schatz zu uns stößt!


Ich singe My Lighthouse von Rend Collective: You are the peace in my troubled sea. Dieses Lied ist Balsam für meine Seele.

Ich schreibe in mein Tagebuch. Alles, was mich bedrückt, fließt aufs Papier und erleichtert mein Herz.

Ich male. Und lasse dabei los. Das gelingt mir immer besser.

Ich lese in der Bibel und finde darin so viel Trost. Und Hoffnung. Ich lese darin, dass ich hoffen darf, denn unser Gott liebt das Leben und er tut Wunder.

Ich nehme Anteil an den Schwangerschaften in meinem Umfeld. Ja, der Anblick runder Babybäuche gibt mir manchmal einen Stich – aber ich merke, dass es mir weniger weh tut, wenn ich mich mit den werdenden Mamas freue. Wenn ich ihnen etwas Gutes tue, wenn ich mit ihnen zusammen staune, wenn ich (so gut es geht) für sie da bin. Ich kann aus meiner Erfahrung schöpfen, mich erinnern und mich über das Wunder freuen (ohne selbst unter Einschränkungen und Beschwerden zu leiden).

Ich versuche, mich auf andere Dinge zu konzentrieren und das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Das fällt mir schwer – aber wenn Plan A nicht aufgeht, muss eben Plan B her. Bald ist Samuel alt genug (zumindest nach meinem Empfinden), um mehr Stunden in der Kita zu verbringen. Dann bricht für mich eine neue Zeit an. Das wird spannend und herausfordernd und ich bin gespannt, was Gott für mich bereithält.





Freitag, 2. Juni 2017

Frühstück 5x anders


Das Frühstück ist, wie man so schön sagt, die wichtige Mahlzeit des Tages. Auf mich trifft das absolut zu - wenn ich morgens nichts esse, ist mir den ganzen Tag lang übel und ich habe keine Kraft. Wenn ich so darüber nachdenke, ist mir das Frühstück sogar die liebste Mahlzeit des Tages!
Ich liebe es, den Tisch zu decken (vor allem, wenn die Kinder noch schlafen und alles ganz still ist) und Gutes aufzutischen und den Tag auf diese Weise mit meinen Lieben zu beginnen. Sehr gern mit frischen Brötchen, Orangensaft, Lachs und weichem Ei, oder auch mit Pancakes, Müsli, Obstsalat... Egal ob herzhaft oder süß - zum Frühstück kann ich eigentlich alles essen.

Eine Zeitlang gab es bei uns jeden Morgen Porridge mit Apfelmark. Das war lecker, aber auf Dauer irgendwie auch langweilig. Ich wollte etwas mehr Vielfalt auf unseren Frühstückstisch bringen, stöberte in Kochbüchern und im Internet, und habe unser Repertoire auf diese Weise erweitert. Jetzt freue ich mich noch mehr auf das Frühstück und darauf, den Kindern etwas Leckeres und Nahrhaftes aufzutischen.

Vielleicht seid ihr ja auch auf der Suche nach ein paar Frühstücksinspirationen für die nächste Woche? Hier sind fünf davon, eine für jeden Tag von Montag bis Freitag. (Samstags gibt es bei uns meistens Pancakes und am Sonntag holt mein Liebster Brötchen vom Bäcker ;))




Montag: Over-Night-Oats mit Fruchtpüree und Toppings


Over-Night-Oats sind so praktisch, weil ich das Frühstück schon am Abend vorbereiten kann und am Morgen nur noch auf den Tisch stellen muss!

Für eine Kinderportion gebe ich zuerst 30g Haferflocken in eine kleine Schüssel (Weckgläser sind dafür auch sehr gut geeignet) und bedecke sie mit der doppelten Menge (also 60ml) Milch. Wir verwenden Kuhmilch, Pflanzenmilch funktioniert aber auch. Dann kommt der Deckel drauf und die Schüssel über Nacht in den Kühlschrank.
Für eine Erwachsenenportion verwende ich 50g Haferflocken und entsprechend 100ml Milch.

Für unser Lieblingsfruchtpüree lasse ich eine Handvoll TK-Erdbeeren über Nacht auftauen. Am Morgen püriere ich die Beeren zusammen mit einer kleinen Banane - fertig. Die Menge reicht für mich und zwei (gar nicht mehr so) kleine Kinder.

Die Over-Night-Oats werden am Frühstückstisch nach Belieben mit Honig oder Ahornsirup gesüßt und mit Fruchtpüree und diversen Toppings (bei uns am liebsten mit verschiedenen Nüssen und Kernen) genossen.


Dienstag: Honey Cloud Pancakes aus dem Ofen


Das Rezept für diese fluffig-leichten Honey Cloud Pancakes aus dem Ofen habe ich auf Pinterest entdeckt und mit Erfolg getestet. Mir gefiel, dass die Pancakes ohne Industriezucker auskommen und die Zubereitung im Ofen sehr schnell und einfach ist. Außerdem hatte ich gerade viele Eier im Kühlschrank, die ich aufbrauchen wollte :)
Ich habe für die Kinder und mich das dreifache Rezept in einer großen Pfanne gemacht, was dann aber doch etwas zu viel war. Beim nächsten Mal nehme ich nur die doppelte Menge. Außerdem habe ich vergessen, den Pancake mit Obst zu bestreuen... das gab es dann einfach so dazu.



Mittwoch: Toast-Muffins mit Schinken und Ei



Für solche Toast-Muffins mit Ei kursieren etliche Rezepte im Internet - ich habe mich im Wesentlichen an dieses hier gehalten und wurde nicht enttäuscht. Für eine vegetarische Variante lässt man den Schinken einfach weg.
Nur noch ein Hinweis am Rande: Es war gut, dass wir Eier in Größe S da hatten - mit größeren Eiern hätte das bei meiner Muffin-Form eine Schweinerei gegeben...


Donnerstag: Smoothie-Bowl



Ok, zugegeben - dieser Trend ist auch schon ein bisschen älter... aber deshalb nicht weniger lecker ;)
Da Obst für uns sowieso IMMER zum Frühstück dazu gehört, bietet es sich an, den Kindern ihre Vitamine mal in dieser Form zu verabreichen. Praktisch finde ich auch, dass man so ziemlich alles verwenden kann, was man gerade im Haus hat (und was man den Kindern unterjubeln möchte - Spinat zum Beispiel!).

In diesem Fall habe ich für die Kinder und mich köstliche Smoothies aus diesen Zutaten gemixt:
  • 1 Banane
  • 1 große Handvoll TK-Himbeeren
  • 1/2 Mango
  • 1/4 Galia-Melone
  • 1 Avocado
  • 1 Schuss Orangensaft
Wichtig ist nur, dass der Smoothie am Ende nicht zu flüssig ist, sondern sich gut löffeln lässt.
Die Toppings konnte sich jede/r nach Geschmack zusammenstellen; auch da sind der Fantasie (und dem Vorratsschrank...) keine Grenzen gesetzt.


Freitag: Pancake-Muffins



Seit ich auf dieses wunderbar einfache Pancake-Muffins-Rezept gestoßen bin, gibt es sie bei uns jede Woche. Ich verwende allerdings eine Mischung aus hellem Dinkel- und Dinkelvollkornmehl und lasse den Mohn weg. Anstelle der Himbeeren lassen sich auch Heidelbeeren verwenden.
Wenn die Kinder rechtzeitig wach sind, rühren wir den Teig zusammen an, was ihnen unheimlich viel Spaß bereitet (und auch nur unwesentlich länger dauert).
Der Teig reicht bei unserer Muffin-Form übrigens für genau 8 Muffins - die verputzen wir dann entweder mit Ahornsirup oder Agavendicksaft und frischem Obst.


Vielleicht konnte ich euch mit diesen Frühstücksideen ein bisschen inspirieren
- ich wünsche guten Hunger!





Sonntag, 21. Mai 2017

Ein Mama-Tochter-Nachmittag


"Der Turm der blauen Pferde", hier gezeichnet von Marcel van Eeden

Gestern Nachmittag war ich tatsächlich mal total spontan (!) und entführte meine noch-nicht-ganz-aber-fast-vierjährige Tochter in eine Kunstausstellung. Ich hatte die Ausstellung zu Franz Marcs verschollenem Gemälde Der Turm der blauen Pferde schon seit März sehen wollen und ergriff nun die sich bietende Gelegenheit, Alleine-Zeit mit meinem Mädchen zu verbringen (mein Liebster widmete sich währenddessen seinem neuen Hobby, dem Bier brauen, und versorgte unseren Sohn).
Noemi war auch gleich Feuer und Flamme für diese Idee – vor allem, als ich ihr erzählte, dass in der Ausstellung auch Pferde zu sehen sein würden! 


Während der etwa einstündigen Bus- und U-Bahnfahrt zum Haus am Waldsee in Zehlendorf unterhielten wir uns über dies und das, und ich versuchte, meine Tochter auf den Ausstellungsbesuch vorzubereiten. Ich erzählte ihr, dass das Bild Der Turm der blauen Pferde nach dem großen Krieg verschwunden sei und verschiedene Künstler sich nun vorstellten, was mit dem Bild passiert sein könnte. Wir sprachen darüber, dass es falsch ist, Bilder wegzunehmen, schlecht zu reden oder gar zu zerstören, nur weil sie einem nicht gefallen oder man den Maler nicht mag – vielmehr möchten wir andere loben und Gutes über ihre Bilder sagen, ihnen Respekt entgegen bringen - ziemlich grundlegend und alltagsnah für mein Kindergartenkind.
Wir genossen es beide total, uns mal ausgiebig und in Ruhe unterhalten zu können! In unserem normalen Alltag reden wir natürlich auch miteinander, aber meistens springt der kleine Bruder auch noch irgendwo herum und es ist schwer, meine Aufmerksamkeit ungeteilt einem Kind zukommen zu lassen. Ich wollte die Zeit nutzen, mich meiner Großen vollkommen zuzuwenden: sie intensiv anzuschauen, zu hören, was sie beschäftigt und dem nachzuspüren, wer sie ist.



Rückansicht der Villa "Haus am Waldsee"


Gleich das erste Werk der Ausstellung beeindruckte Noemi sehr: Eine zerfetzte, angekokelte Leinwand mit zerbrochenem Rahmen. Der Künstler Norbert Bisky hatte für dieses Werk den Turm der blauen Pferde zunächst originalgetreu  nachgemalt und anschließend eigenhändig zerstört – ein Symbol für die Zerstörung avantgardistischer Kunst durch die Nationalsozialisten.
Vor diesem „kaputten Bild“ standen wir eine ganze Weile und sprachen darüber, wie gemein es ist, Bilder so zu zerstören. Schließlich sind die Geschmäcker unterschiedlich und es macht Menschen traurig, wenn etwas zerstört wird, womit sie sich viel Mühe gegeben haben. Ich erzählte meiner Tochter auch, dass es eine Zeit in Deutschland gab, als böse Menschen an der Macht waren, die keine andere Meinung gelten ließen als ihre und die alle einsperrten und sogar töteten, die anderer Meinung waren. Dabei beließ ich es aber vorerst – mehr wird Noemi nach und nach erfahren.

Endlich kamen wir zu dem „echten“ Pferd! Leider durften wir es nicht streicheln… Und außerdem war es mit ein paar Pfeilen durchbohrt – das tut doch weh!


Highlight der Ausstellung: Ein ausgestopftes "blaues" Pferd von Via Lewandowsky

Noch einmal das Pferd, mit Reliefs von Arturo Herrera im Hintergrund



Wir sahen uns auch den Rest der Ausstellung an – eine vielfach vergrößerte Staubfusel vom Schreibtisch Adolf Hitlers, riesengroße Gemälde mit kleineren und größeren Pferden, eine Serie bunter Holzreliefs. Meine Tochter machte alles gut mit und posierte bereitwillig vor allen Skulpturen und Bildern. 
Erst jetzt fiel mir ein, dass ich Papier und Stifte vergessen hatte - wie gern hätte ich mich mit meinem malbegeisterten Mädchen auf eine der Besucherbänke gesetzt und unsere Eindrücke aufs Papier gebracht... Daran muss ich beim nächsten Mal unbedingt denken!


Noemi ahmt die Pose eines Pferdes auf einem der vier Gemälde von Martin Assig nach

"Vaterland - jetzt wieder verfügbar" von Birgit Brenner



Glücklicherweise war die Ausstellung aber nicht allzu groß, sodass wir schon bald zum kulinarischen Teil des Ausflugs übergehen konnten: Im Museumscafé gab es gerade noch ein allerletztes Stück Schokokuchen für meine kleine Schokoladenliebhaberin (und ein Stück Cheesecake für mich).
Das Wetter war angenehm mild, sodass wir Kuchen und Cappuccino draußen im Garten der Villa genießen konnten. Natürlich nicht ohne vorher lautstark „Für dich und für mich ist der Tisch gedeckt“ gerappt und uns an den Händen haltend einen guten Appetit gewünscht zu haben! Ja, wir fielen schon ein bisschen auf unter all den Rentner/innen :)



Kuchenpause (mit Cappuccino für Mama) im Garten der Villa



Als der Kuchen verspeist war, flitzte mein Mädchen los – so ein großer, schöner Garten war da zu entdecken! Sie galoppierte lachend und jubelnd über die Wiese, quasi als unser Ausstellungsbeitrag: Eines der blauen Pferde hat sich von der Leinwand befreit und genießt zum ersten Mal grünes Gras unter den Hufen und ein laues Lüftchen in der Mähne :D


Endlich rennen!

Auch diese "Leuchtreklame" von Tobias Rehberger gehörte zur Ausstellung

Allzu lange konnten wir leider nicht mehr in dem schönen Garten bleiben - die Männer warteten schon und wir hatten noch einen weiten Rückweg vor uns. Ich spürte, wie mich der Nachmittag bei allem Schönen auch angestrengt hatte (hochsensibel, ja...) und wie mein Mädchen in der S-Bahn zunehmend hibbelig wurde. Was ich aber auf keinen Fall wollte, war Schimpfen und Stress in den letzten Momenten unseres Ausflugs - das hätte die wunderschöne Zeit zerstört.
Gott sei Dank wurde ich mir dieser Gefahr bewusst - und Gott sei Dank konnte ich gegensteuern. Zuerst spielten wir ein paar Runden "Ich sehe was, was du nicht siehst", dann ein paar Minuten "Schnick, schnack, schnuck" (was habe ich doch für eine große Tochter!) und zum Schluss schauten uns zusammen die Fotos des Nachmittags auf der Kamera an. Ganz lustig und entspannt - Gott sei Dank! Und dann mussten wir auch schon aussteigen...

Das versäumte Malen holten wir einfach vor dem Schlafengehen am Esstisch nach: Ich holte meine guten Buntstifte raus und wir zeichneten, was wir miteinander erlebt hatten. So ging ein ereignisvoller Nachmittag kreativ zu Ende.

Unser kreativer Tagesausklang :)


Das war eine sehr wertvolle Zeit für meine Tochter und mich:

Wir redeten und wir schwiegen.
Ich konzentrierte mich ganz auf sie und ging ganz auf sie ein.
Es gab keine Tränen, kein Schimpfen, keine Enttäuschung.
Ich sagte ihr, was ich alles an ihr liebe.
Sie sagte mir, wie doll sie mich lieb habe.
Wir liefen die ganze Zeit Hand in Hand.
Ich durfte von ihrem Schokokuchen probieren.
Wir fragten uns die gleichen Fragen.
Wir freuten uns über das schöne Wetter.
Wir lachten laut in der S-Bahn und waren sooo albern.
Nur wir beide, du und ich.

Danke, meine Große, für diese unvergesslichen Stunden mit dir!