Donnerstag, 17. August 2017

Eine Weltreise in Büchern





Immer wieder werde ich gefragt, welche Art von Büchern ich denn gerne lese. Das fand ich bisher nicht so einfach zu beantworten – ich würde zwar schon sagen, dass ich einen bestimmten Lesegeschmack habe, konnte diesen aber nicht wirklich beschreiben. Ich mag einfach Geschichten. 
Möglichst spannende - aber keine Krimis. Auf jeden Fall anspruchsvoll und gut geschrieben - aber nicht zu kompliziert und hochtrabend. 
Erst vor kurzem wurde mir bewusst, welche Art von Büchern ich besonders gern habe: Solche, die in anderen (fernen) Ländern spielen. Und die am besten von Autoren aus eben diesen Ländern geschrieben wurden. Ich interessiere mich für afrikanische, orientalische, südamerikanische, asiatische... Literatur – aus der Vergangenheit und der Gegenwart.
Man könnte sagen, dass ich beim Lesen gern auf Reisen gehe. Und das ist ja das Schöne am Lesen: Dass die Buchstaben uns in ferne Welten entführen, die unsere Füße nie betreten können – unser Geist und unser Herz aber schon.

Für uns ist die Reisezeit in diesem Jahr schon vorbei, und besonders weit hat uns unser Weg auch nicht geführt. Das war schön und ok, aber zum Lesen hatte ich das Buch eines ägyptischen Autors dabei. Und gerade lese ich einen Roman, der in Afghanistan spielt. Ihr seht, meine literarische Reiselust ist ungebrochen, und ich dachte, ich nehme euch heute mal mit auf eine kleine Weltreise in Büchern. Günstiger, schneller und bequemer kommt ihr nie von zu Hause weg ;)

Also lehnt euch zurück, macht es euch gemütlich, und lasst euch mitnehmen auf diese Reise.
Wenn es euch an der einen oder anderen Station besonders gut gefällt, steigt gern aus und seht euch etwas genauer um!


Erste Station: Italien
Reise im Mondlicht von Antal Szerb


Dass dieses Buch zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, wissen wohl die meisten, die meinen Blog einigermaßen regelmäßig lesen ;) Hier kommt einfach alles zusammen, was ich mag: ein ungarischer Autor, ungarische Hauptfiguren, die Geschichte - quasi ein road trip - spielt in den Dreißigerjahren an verschiedenen Orten in Italien, die Sprache ist wunderbar elegant, der Plot spannend, und das Cover (jedenfalls das dieser Ausgabe) ziert ein Gemälde eines meiner Lieblingsmaler, Edward Hopper. 
Fast so schön wie eine leibhaftige Italienreise!


Zweite Station: Barcelona, Spanien
Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón


In den vergangenen Jahren habe ich mehrere Bücher dieses Autors gelesen - mit Abstand am Besten gefiel mir aber Der Schatten des Windes, der erste Teil der Barcelona-Triologie rund um den "Friedhof der vergessenen Bücher". Eine spannende Geschichte, genial erzählt. Ein Roman für alle, die Bücher lieben.


Dritte Station: Lissabon, Portugal
Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier


Auch von diesem Roman habe ich euch hier schon vorgeschwärmt... Seit mein Mann und ich 2010 Lissabon besucht haben, gehört diese Stadt zu meinen absoluten Lieblingsorten. Und dieses Buch lässt viele Eindrücke und Bilder dieser Reise in mir wieder aufleben. Die Hauptfigur unternimmt eine lebensverändernde Reise - dieses Motiv spricht mich immer wieder sehr an. Was wäre, wenn ich einfach in einen Zug steigen und alles hinter mir lassen würde....


Vierte Station: Amazonas, Südamerika
Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann


Dieses kleine, aber feine Büchlein ist eines der ersten, die mein Liebster und ich miteinander gelesen haben, als er noch kein großer Bücherfan war. Das änderte sich zu dieser Zeit zunehmend, und von Die Vermessung der Welt war er total begeistert. Kein Wunder, schließlich geht es darin um keine Geringeren als Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt. Abenteuerlich geht es zu in Kehlmanns Roman, humorvoll und irgendwie "speziell" - definitiv eine Reise in die Bibliothek oder den Buchladen wert ;)


Fünfte Station: Mexiko
Gebete für die Vermissten von Jennifer Clement


Wenn ich es mir recht überlege, mag ich besonders gern Bücher, die aus Frauenperspektive geschrieben sind. Natürlich, weil ich selbst eine Frau bin. Aber auch, weil ich es so wichtig finde, dass Frauen eine Stimme bekommen, gerade in den Ländern und zu den Zeiten, in denen sie unterdrückt und kleingemacht werden. In Gebete für die Vermissten gibt Jennifer Clement den Mädchen und Frauen Mexikos eine Stimme, lässt uns die von Menschen- und Drogenhandel geprägte Realität durch ihre Augen sehen. 
Ich habe das Buch in wenigen Stunden durchgelesen, weil es so packend war. Spannend und berührend.


Sechste Station: Nigeria
Half of a Yellow Sun von Chimamanda Ngozi Adichie


Noch so ein "Frauenbuch", diesmal aus Nigeria. Chimamanda Ngozi Adichie hat sich ja inzwischen (zurecht) einen Namen gemacht. Half of a Yellow Sun war das erste Buch, das ich von ihr las, und danach war ich sozusagen "infiziert". Eine junge, weibliche, nigerianische Stimme, die uns etwas zu sagen hat.


Siebte Station: Botswana
Keine Konkurrenz für Mma Ramotswe von Alexander McCall Smith


Wenn man mal ein Buch braucht, das sich einfach liest, das einem hin und wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert und das dem Herzen gut tut, dann greift man am Besten zu einem aus der Mma-Ramotswe-Serie von Alexander McCall Smith. Mma Ramotswe ist die einzige Privatdetektivin Botswanas, und sie macht ihren Job richtig gut: Mit viel Fingerspitzengefühl, Weisheit und der Ruhe eines Elefanten löst sie einen Fall nach dem anderen. Liebenswert!


Achte Station: China
Wild Swans von Jung Chang


So ziemlich alles, was ich über China weiß, habe ich aus diesem Buch. Es ist unheimlich reich an Wissen und Information und dabei sehr spannend und berührend. Jung Chang erzählt die Geschichte ihrer Großmutter, die noch zu den Zeiten aufwuchs, als den Mädchen die Füße verbunden wurden, um sie am Wachstum zu hindern, die Geschichte ihrer Mutter, die an Maos Seite für ein neues, freies China kämpfte, und nicht zuletzt ihre eigene Geschichte - wie sie dem kommunistischen Regime den Rücken kehrte und endlich Freiheit erlangte. Sehr lehrreich!


Neunte Station: Indien
Das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry


Unsere Weltreise neigt sich langsam ihrem Ende entgegen: Wir sind in Bombay angekommen und stürzen uns mitten rein ins Getümmel! Rohinton Mistry verwebt die Lebensgeschichten vierer Menschen kunstvoll miteinander und zeigt eindrücklich: "So etwas wie ein uninteressantes Leben gibt es nicht." (Mr. Valmik zu Maneck) 
Ich war leider noch nie in Indien, aber ich stelle es mir ungefähr so vor wie dieses Buch :) 


Zehnte Station: Afghanistan
Als die Träume in den Himmel stiegen von Laura McVeigh


Für Afghanistan hege ich schon lange eine besondere Zuneigung. Vielleicht liegt das an dem alten, mit vielen Fotos bestückten Buch, das ich vor ein paar Jahren auf der Straße fand. "Kreuzweg der Kulturen" (von Jan Myrdal) heißt es, und es ist wunderschön - eingeschlagen in hellblaues, raues Leinen, mit 100 Fotos in Farbe und schwarz-weiß - und es kommt mir vor, wie aus einer anderen Zeit, denn es wurde 1960 geschrieben! Was hat Afghanistan seitdem alles erlebt und erlitten! 
Zu meiner Zuneigung beigetragen haben sicher auch die Romane von Khaled Hosseini, von denen ich zuallererst Drachenläufer gelesen habe. Als ich im Buchladen meines Vertrauens dann auf das Buch von Laura McVeigh stieß, wusste ich, dass es das Richtige für mich war! 
Da es meine aktuelle Lektüre ist, kann ich nur über meinen ersten Eindruck berichten: Ich kann kaum aufhören, darin zu lesen. Das Schicksal der kleinen Samar und ihrer Familie hat mich gleich in ihren Bann gezogen.  Und ich liebe Afghanistan schon wieder ein bisschen mehr...


So, ich hoffe, diese kleine literarische Reise hat euch gefallen und inspiriert euch zu der einen oder anderen Lektüre. Natürlich interessiert es mich, ob euch diese Buchtipps zusagen - und auch, ob ihr noch andere Bücher kennt, die uns in ferne Länder (Japan? Sibirien? Marokko? Israel? Kuba?...) entführen?
Dann immer her mit den Lesevorschlägen!







Sonntag, 2. Juli 2017

Lektionen




Wenn ich etwas ganz fest glaube, dann daran, dass Gott uns alle Dinge zum Besten dienen lassen kann und wird. Ich glaube daran, auch wenn mir bei bestimmten Situationen absolut nicht in den Kopf will, wie Gott daraus noch etwas Gutes entstehen lassen will. Unser dritter (und bisher unerfüllter) Kinderwunsch gehört nicht dazu. Soll heißen: Ich habe eine feste Gewissheit, dass diese Phase für mich und uns als Familie Gutes birgt, dass Gott einen guten Plan für uns hat. Wie ich darauf komme, kann ich nicht erklären, und oft genug hadere ich noch damit, dass es gerade nicht so läuft, wie ich möchte – aber tief in meinem Herzen ist es ok. It is well with my soul.
Gott verfolgt mit meinem Leben oft wohl etwas andere Ziele als ich. Eines dieser Ziele scheint zu sein, mir Dinge beizubringen, über das Leben, über Ihn, über mich. Gerade schwierige, harte Zeiten sind Lernzeiten, was bedeutet, dass ich zur Zeit unheimlich viel lerne – und dafür bin ich dankbar.

Wenn ich im Folgenden darüber schreibe, was ich lerne und wie Gott an mir arbeitet, dann ist das als ganz subjektiver, persönlicher Bericht zu verstehen. Ich weiß, dass manche von euch, die den Text lesen, ebenfalls betroffen sind und ihre Situation unter Umständen ganz anders erleben. Hiermit möchte ich euch also nicht sagen, wie ihr ungewollte Kinderlosigkeit/ Kinderwunsch sehen oder damit umgehen sollt. Vielmehr teile ich mit euch ein Stück von Gottes Weg mit mir, und freue mich natürlich, wenn ihr einen guten Gedanken daraus für  euch mitnehmen könnt.


Nichts ist selbstverständlich!
Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückschaue, wird mir bewusst, wie viel mir „in den Schoß gefallen“ ist: Schule und Studium fielen mir recht leicht und ich konnte mit guten Ergebnissen glänzen, mein Mann und ich lernten uns in jungem Alter kennen, Jobangebote stellten sich ein, wir bekamen zwei Kinder, als wir dazu „bereit“ waren, wir sind alle gesund und fröhlich – meistens, jedenfalls. Wenn alles so gut läuft im Leben, tendiert man tendiere ich leicht dazu, das als selbstverständlich zu betrachten. Menschen, die z.B. im akademischen Bereich erfolgreich sind, können oft nicht verstehen, warum andere sich mit dem Erreichen der mittleren Reife schwer tun. Frauen, die schnell und spontan schwanger werden, können teilweise nicht nachvollziehen, weshalb es bei anderen nicht klappt. Bis dann Schwierigkeiten auftauchen, bis wir mit unserem eigenen Können und Vermögen nicht mehr weiterkommen. Dann spüren wir, wie wenig wir selbst in der Hand haben. Wie unendlich beschenkt wir sind!
Für mich ist dies eine wertvolle, aber auch harte Lektion: Alles, was ich bin und habe, ist nicht selbstverständlich. Und ich habe es mir auch nicht selbst zu verdanken. Das, was mein Leben im Kern ausmacht, das, was wirklich zählt, ist mir geschenkt worden. Alles!
Ich habe nicht unter Kontrolle, was passieren wird – vielmehr bin ich eingeladen, meine Hände aufzuhalten und zu vertrauen. Dem, der alles unter Kontrolle hat. Dem, der der Geber aller guten Gaben ist.


Dankbarkeit
Aus diesem Bewusstsein entspringt schließlich unendliche Dankbarkeit. Denn ich bin reich beschenkt. Ich muss nicht lange überlegen, um Seiten füllen zu können mit Dingen, für die ich Gott dankbar bin. Und das tue ich auch: Immer wieder nehme ich mein Dankbarkeitstagebuch zur Hand und schreibe Segen um Segen auf die weißen Seiten. Besonders an Tagen, an denen es mir nicht gut geht, ist dies eine wertvolle Übung.
Ich möchte mich auf das konzentrieren, was ich habe, anstatt mein Herz an Sehnsüchte und Träume zu hängen, die vielleicht niemals erfüllt werden. Loslassen tut weh, es befreit uns aber auch. Es macht uns frei und empfänglich für das Gute, das wir tagtäglich erfahren.



Ich werde eine „bessere“ Mama
Ganz besonders dankbar bin ich für meine beiden Kinder.
Diese Herzenshaltung macht einen großen Unterschied im Umgang mit meinen beiden Wilden, die mir doch gern mal den letzten Nerv rauben... Ich habe festgestellt, dass Dankbarkeit mich dazu befähigt, geduldiger, gütiger, freundlicher und verständnisvoller mit meinen Kindern umzugehen. Ich genieße die gemeinsamen Stunden mit ihnen mehr, bin hingebungsvoller, leidenschaftlicher, liebevoller – jetzt, wo ich (endlich!) verstehe, was für ein Wunder das ist, was für ein Geschenk!
In den vergangenen Jahren habe ich das Mutter-Sein viel zu oft als Last, als Einschränkung empfunden. Es war (und ist) die größte Herausforderung meines Lebens! So sehr ich meine Kinder liebe, ich habe sie wohl oft als „selbstverständlich“ hingenommen, habe über sie geklagt, mir Ruhe von ihnen gewünscht.
Und ich dachte, genauso selbstverständlich, dass sich einmal noch ein drittes Kind zu unserer Familie gesellen würde. Noch eine Chance, um ein paar Versäumnisse nachzuholen, um Fehler zu korrigieren. (Schlimm, oder?)
Diese „Chance“ werde ich vielleicht nicht mehr bekommen. Aber ich brauche sie auch überhaupt nicht, um meinen beiden Kindern eine bessere Mama sein zu können. Diese beiden kleinen Menschen sind hier, sie brauchen mich jetzt und ich darf ihre Mama sein. Diese Chance ergreife ich jeden Tag neu, und ich bin sehr dankbar dafür, dass Gott mir die Augen dafür geöffnet hat.


Wir sind viele!
Mein vorletzter Blog-Post löste so viele Leser-Reaktionen aus wie keiner zuvor: Ich bekam E-Mails, in denen Leserinnen ihre Geschichten mit mir teilten – ihre Wunder ebenso wie ihren Schmerz. Und viele dankten mir dafür, dieses sehr persönliche, tabuisierte Thema angesprochen zu haben.
Ungewollte Kinderlosigkeit ist tatsächlich ein Tabu, und es ist mir demzufolge nicht leicht gefallen, darüber zu schreiben. Bevor ich zum ersten Mal einen Text darüber veröffentlichte, überlegte ich mir gut, welche Gründe dagegen sprechen könnten – und mir wurde klar, dass Scham mein einziger Hinderungsgrund war. Ja, ich schämte mich! Für meinen Körper und seine „Unfähigkeit“. Etwas, wofür ich nichts kann und wofür sich keine Frau (und auch kein Mann!) schämen muss. Deshalb habe ich meinen Text für die Öffentlichkeit frei gegeben.
Die Tatsache, dass kaum jemand über unerfüllten Kinderwunsch spricht, täuscht darüber hinweg, wie viele Paare davon betroffen sind. Öffnet man sich dagegen, und teilt diese Erfahrung mit anderen, ist man überrascht über die Reaktionen: Man hört von Fehlgeburten, von erfolglosen Kinderwunschbehandlungen, von gescheiterten Beziehungen. Und auch wenn diese Geschichten nicht „schön“ sind und viele davon kein Happy End haben, ist es doch wertvoll, sie zu hören! Weil sie helfen, das Tabu zu entmachten. Weil sie Gemeinschaft stiften und Trost schenken – weil sie uns zeigen, dass wir nicht alleine sind.



Es ist nicht immer so, wie es scheint!
Erst vor ein paar Tagen erzählte eine Künstlerin, die ich total bewundere und schätze, in einer Instagram-Story, dass sie in den vergangenen Jahren drei Fehlgeburten erlitten hat. Sie wollte davon erzählen und ihren Schmerz mit den Zuschauern teilen, weil sie wirklich authentisch sein wollte, ein Mensch aus Fleisch und Blut, jemand, der mehr ist als schöne, perfekte, bunte Bilder auf Instagram. Ich fand ihren Mut bewundernswert – und war gleichzeitig unangenehm berührt, fühlte mich ihr gegenüber beinahe schuldig, weil ich mich manchmal gefragt hatte, warum sie eigentlich „nur“ ein Kind hat. Von wegen: Wäre es nicht mal Zeit für ein zweites? Und nun erfuhr ich von ihrem Kinderwunsch, von ihren Fehlgeburten! Beschämt schrieb ich mir hinter die Ohren (und auf mein Herz, zum wiederholten Male): Hör auf, über andere zu urteilen!
Was weiß denn ich, warum manche Paare kinderlos bleiben, warum es bei manchen bei einem Kind bleibt, warum zwischen manchen Geschwistern viele Jahre liegen? Ich weiß NICHTS. Und selbst, wenn ich es wüsste – es geht mich nichts an. Wir treffen alle unsere eigenen Entscheidungen. Und oft genug haben wir einfach keine Wahl.  
Ich bin in einer Familie groß geworden, in der viel ge- und verurteilt wird, und es fällt mir schwer, diese Gewohnheit abzulegen. Die Urteile ploppen in meinem Kopf auf, ohne dass ich großartig nachdenke. Mittlerweile gelingt es mir aber immer besser, diese Urteile in ihre Schranken zu weisen, sie zu relativieren und sogar umzudrehen. Dachte ich jedenfalls…
Mein unerfüllter Kinderwunsch macht mich sensibler, milder. Sätze wie: „Na, wann ist es bei euch endlich mal soweit?“ haben mich immer schon gestört, sind inzwischen aber vollkommen untolerierbar für mich geworden (Bitte nicht sagen! Niemals!). Es ist oft nicht so, wie es scheint. Hinter einem einzelnen Faktum steckt immer auch eine Geschichte, und diese Geschichte gehört zu einem wertvollen, verletzlichen Menschen, der daran vielleicht zu knapsen hat. Daran möchte ich denken.


Das Leben geht weiter, und ich will es nicht verpassen.
Zehn Monate sind inzwischen vergangen seit diesem einen Gespräch zwischen meinem Liebsten und mir. Es war ein wunderschöner Spätsommerabend und wir verbrachten ihn als Familie im Britzer Garten. Noemi und Samuel spielten vergnügt und wir entschieden uns, ein drittes Kind zu bekommen. Ich erinnere mich noch genau daran. Wir haben uns das so einfach vorgestellt.
Wir hätten beide niemals gedacht, dass es so lange dauern würde, und wohl noch viel länger…
In diesen zehn Monaten seit unserem Entschluss ist viel passiert. Wir haben Thanksgiving, Weihnachten und Ostern gefeiert. Wir sind verreist, haben gearbeitet, gespielt, gelebt. Die Kinder sind größer, schwerer und klüger geworden. Es waren zehn volle, gute Monate. Trotzdem.
Ich möchte diese Monate nicht durch die Kinderwunsch-Brille sehen, sie nicht daran messen oder sie als Misserfolg werten, weil es in dieser Zeit „nicht geklappt“ hat. Denn auch diese Monate waren mein Leben, waren unser Leben als Familie.
Bis zu meiner OP sind es noch über zwei Monate. Auch diese beiden Monate möchte ich nicht nur als wohl-oder-über-zu-überbrückende-Wochen ansehen, als Wartezeit, als leeren Zwischenraum. Nein, auch diese zwei Monate sind Lebenszeit! Gute, wertvolle, hoffnungsvolle Zeit. Minuten, Stunden, Tage, Wochen, die mir geschenkt sind. Nicht, um mich zu sorgen, mich in Wenns zu hüllen, mich weg zu wünschen – sondern um zu lachen und zu  teilen und zu glauben und zu lernen und zu spielen und zu lieben.



Im Glauben weitergehen, Schritt für Schritt
Wir wissen nicht, was kommt. Ja, eine OP - aber deren Ausgang ist vollkommen ungewiss. Ebenso wie die Frage, ob wir irgendwann einmal zu fünft sein werden. Ich habe Jesus schon ein paar Mal gefragt, aber er möchte darauf nicht antworten... ;) Er möchte, dass ich im Vertrauen wachse, einen Schritt nach dem anderen wage, mit ihm zusammen. Egal, was kommt.
Und das mache ich. Etwas anderes bleibt mir sowieso nicht übrig. Und etwas anderes will ich auch nicht. Wo bliebe denn sonst die Spannung?


Ganz liebe Grüße an euch alle! Danke für euer Lesen und Anteilnehmen, für eure Nachrichten und Gebete. Mir bedeutet das alles unheimlich viel. Danke!

eure Reh





Montag, 26. Juni 2017

Bücherliebe im Sommer

Sommerzeit ist Ferienzeit ist Bücherzeit - zumindest für mich! In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich mich wieder häufiger in wunderbare Buchstabenwelten vertieft und möchte euch ein paar Lesetipps weitergeben. Vielleicht findet ihr ja etwas für eure Urlaubsbibliothek. Das würde mich sehr freuen!


Schreib deine Lebensgeschichte spannender: A Million Miles in a Thousand Years 
von Don Miller


Auf dieses tolle Buch hat mich die liebe Anne von anny-thing aufmerksam gemacht (hier könnt ihr ihre Rezension lesen) - danke dir dafür! 
Da ich den Autor, Don Miller, bereits durch seine Bücher Blue like Jazz und Scary Close (beide übrigens sehr empfehlenswert!), kannte und schätzte, freute ich mich auf eine weitere tiefsinnige und gleichzeitig humorvolle Lektüre - und wurde nicht enttäuscht.
Don Miller schreibt darüber, was gute (Lebens-)Geschichten auszeichnet und wie er durch ein Filmteam herausgefordert wurde, eine bessere Geschichte aus seinem eigenen Leben zu machen. Ein durchaus unbequemes, aber vor allem positiv herausforderndes und inspirierendes Buch, das Lust macht, einfach mal was Neues zu wagen und ein verrücktes Kapitel im eigenen Leben zu schreiben.


Wertvolle Gedanken für Eltern: Spielend leicht erziehen von Stefanie Diekmann


Dieser Erziehungsratgeber (der sich gar nicht unbedingt als solcher versteht) wird meinen Mann und mich in unserer Elternschaft noch lange begleiten - da bin ich mir sicher!
Als ich erfuhr, dass die liebe Steffi (die ich bei der family-Teamsitzung im vergangenen Jahr kennenlernen durfte) an diesem Buch arbeitete, nahm ich mir sofort vor, es zu lesen. Denn: Sie und ihr Mann sind leidenschaftliche Eltern mit viel Herz und Erfahrung, von denen wir so viel lernen können! Uns fehlt - wie vielen anderen jungen Eltern auch -  der Erfahrungsschatz und Lernraum der Großfamilie. In vielem sind wir auf uns selbst gestellt, auf uns selbst zurückgeworfen. Dabei braucht es doch ein ganzes Dorf, um Kinder großzuziehen. Wir brauchen erfahrene Eltern um uns herum, die uns beraten und unseren Blick auf das lenken, was wirklich zählt.
Aus Steffis Buch habe ich so viele praktische Tipps für den Familienalltag mitgenommen: "Bodenzeit", das Wörtchen "nicht" vermeiden und stattdessen klare, positive Botschaften senden, Familienregeln in feste "Formeln" fassen und mit den Kindern häufig wiederholen... Ich werde dieses Buch immer wieder zur Hand nehmen, damit ich nichts vergesse und Lösungsansätze für aktuelle Probleme finde.
Außerdem wurde ich herausgefordert, mich selbst zu hinterfragen, an mir selbst zu arbeiten und das Mama-Sein wieder neu als meine wichtigste Lebensaufgabe anzunehmen.
Sehr empfehlenswert! Danke, Steffi, für diesen tollen Begleiter durch das Abenteuer Eltern-Sein!


Spannende Strandlektüre (auch für den Ehemann ;)): The Circle von Dave Eggers


Nicht mehr ganz neu, aber doch brandaktuell ist dieser spannende Roman von Dave Eggers: Die junge Mae startet beim riesigen Internet-Konzern The Circle voll durch und scheint dabei nicht zu bemerken, in welch gefährliche Richtung sich der technische "Fortschritt" entwickelt.
Auch wenn das Buch einige Schwächen hat, lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall - und wenn man einmal mit dem Lesen angefangen hat, kann man das Buch sowieso nicht mehr zur Seite legen. Die Story ist wirklich fesselnd! Das fand übrigens auch mein Mann, der den Roman in Rekordzeit verschlang (und das im englischen Original!).
Nicht zuletzt ermahnt Dave Eggers, in Bezug auf moderne Kommunikationsmittel und Internetgiganten wachsamer zu sein. 


Für einen frischen Blick auf vertraute Texte: The Message von Eugene H. Peterson


Eine gefühlte Ewigkeit wollte ich mir dieses Buch schon zulegen - vor zwei Wochen hielt ich es dann endlich in Händen: eine Bibelübersetzung der ganz anderen Art.
Noch eine Bibelübersetzung? könnte man fragen, schließlich gibt es ja in unseren Breiten und Sprachen wirklich schon für jeden Geschmack und Lesetyp ein passendes Angebot. Trotzdem empfinde ich The Message als eine gelungene und notwendige Ergänzung, weil sie wirklich anders ist. Eugene H. Peterson findet frische, überraschende, poetische Worte für die altvertrauten Texte - er schenkt ihnen ein neues Kleid, das andere, unbekannte Seiten an ihnen hervorhebt.
Wenn ich The Message aufschlage (und das tue ich derzeit sehr häufig und gern), dann entdecke ich Gottes Wort wieder neu für mich, dann freue ich mich an Formulierungen, dann staune ich über Wortkunst und Wunder.
Ein Buch für alle, die sich manchmal ein bisschen bibelmüde fühlen und Altbekanntes mit unvoreingenommenen Augen betrachten wollen. Und für alle anderen auch!


Berührende Geschichte: Sommer in Brandenburg von Urs Faes


Ein (viel zu?) sommerleichter Titel für ein berührendes, wichtiges Buch über ein (mir) unbekanntes Kapitel der Judenvernichtung durch die Nationalsozialisten: Im Sommer 1938 begegnen sich zwei junge Menschen auf einem Landgut in Brandenburg. Sie sind Juden und bereiten sich, gemeinsam mit anderen jungen Männern und Frauen, auf die Ausreise nach Palästina und ihr zukünftiges Leben im Kibbuz vor. Die Welt innerhalb des Hachschara-Lagers wird zunehmend von der feindlichen Außenwelt bedroht: Der Krieg bricht aus und es wird immer schwieriger, Ausreisegenehmigungen zu bekommen...
Mich hat diese zarte, an sich aussichtslose Liebesgeschichte sehr bewegt: Warum durften diese jungen Menschen, die so voll Hoffnungen und Träumen waren, nicht leben? Erschütternd sind die Einschübe, die den historischen Hintergrund in seiner ganzen Grausamkeit aufdecken.
Keine leichte Lektüre, aber eine, die wichtig ist, und die sich nicht nur wegen der poetischen Sprache lohnt.


Zartbitterschokolade für Herz und Seele: Bittersweet von Shauna Niequist


Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mein Leben gern immer "süß": voller Freude und Glück und Erfolg und Wunscherfüllung. Und doch ist es nicht so. Manchmal ist das Leben bitter und schwer, wir verstehen die Welt nicht mehr - Träume zerplatzen, geliebte Menschen leiden und sterben, Hoffnungen stranden und verenden.
Shauna Niequist schreibt in diesem wunderbar ehrlichen und tröstlichen Buch darüber, dass ein immersüßes Leben gar nicht gut für uns wäre, dass erst das Bittere uns stark und mutig macht und dass Gottes Gnade uns gerade in den harten Zeiten verändert.
Bestimmt mag ich Bittersweet auch deshalb so gern, weil es unter anderem um das Thema Kinderwunsch geht. Ich fühle mich so verstanden und ermutigt durch Shauna, die inzwischen übrigens zweifache Mama ist...
Eine echte Empfehlung für dunkle Stunden!


Unser herausforderndes Hauskreisbuch über Nachfolge: Untamed von Alan und Debra Hirsch


Seit gut einem Monat beschäftigen wir uns im Hauskreis mit diesem mitreißenden (und herausfordernden) Nachfolge-Buch, und ich habe festgestellt, dass die Lektüre doch eine andere Wirkung entfaltet als wenn man das Buch für sich alleine liest (wie ich es vor ein paar Jahren getan habe). Die Autoren fordern uns dazu auf, unser Gottesbild gründlich zu überprüfen, den "wilden Messias" neu zu entdecken und die Götzen unserer Kultur vom Sockel zu stoßen - und sie geben uns Lesern viele praktische Anregungen mit auf den Weg. So bleibt es nicht beim Theoretisieren und Diskutieren: Act your way into a new way of thinking ist die Devise.
An manchen Aussagen reiben wir uns, oft fühlen wir uns ertappt, aber vor allem wird beim Lesen und Diskutieren das Feuer der Nachfolge entzündet. Es ist ein radikales Buch, das seine Spuren hinterlässt. Für unseren (zugegeben sehr jungen) Hauskreis genau die richtige Wahl!


Frohes Lesen!



Samstag, 10. Juni 2017

Das Monster und ich




Letztes Wochenende fuhren wir vier spontan nach Weimar, um unser kulturelles Versäumnis nachzuholen – bis dato waren wir nämlich noch nie in Goethes Heimatstadt gewesen (O-Ton Noemi: „Der Goethe hat ganz viel geschrieben. Das war soooo anstrengend!“ :)). Es hätten zwei ganz wundervolle Tage werden können, wenn es ein bisschen weniger geregnet und ich nicht unter heftigster PMS-Laune gelitten hätte… Weimar ist wirklich schön und wir werden gern noch einmal wiederkommen, aber dieses Stimmungstief zum Zyklusende braucht wirklich niemand.

Besonders schlimm ist übrigens die Kombination PMS und Kinderwunsch. Und eine sich verspätende Periode, so dass man sich schon in alle möglichen (bzw. unmöglichen) Szenarien hineinsteigert und einen Schwangerschaftstest kauft. Trotz heftigster PMS-Symptome. Und trotz der Diagnose, die meine Frauenärztin und auch die Ärzte im Krankenhaus in den Raum gestellt haben… der Kinderwunsch wird wohl noch lange mein Begleiter sein – etwas Genaues kann nur eine Operation ergeben.

Diese Diagnose war zunächst ein Schock für mich (ich erwähnte ja schon, dass ich mich gern in Dinge hineinsteigere). Vielleicht wird es nicht mehr klappen mit einem dritten Kind. Nicht in diesem Jahr und vielleicht überhaupt nicht mehr. Das tat weh und tut es noch.
Dann machte sich Erleichterung breit. Wenn man dem Monster einen Namen gibt, ist es nicht mehr ganz so bedrohlich: Wenigstens weiß ich jetzt, woran es liegt. Und man kann (prinzipiell) etwas dagegen tun. Die Diagnose ist nicht lebensbedrohlich. Vielleicht ist es besser so.
Ich muss abwarten – den nächsten Termin im Krankenhaus und dann vermutlich die OP. Und danach wahrscheinlich auch noch ein paar Monate.
Manchmal ist das ok. Den Großteil der Zeit lebe ich ganz gut damit. Ich habe zwei Kinder, für die ich sehr dankbar bin und die mein Herz mit Liebe füllen. Diese beiden sind mir anvertraut. Diese beiden sind meine Aufgabe.
Ich kann mir vorstellen, dass Gott jetzt etwas anderes mit mir vorhat, dass es jetzt an der Zeit ist, nach vorne zu schauen und die Schritte endlich zu gehen, die ich schon so lange vor mir herschiebe. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, mutig zu sein und eine weitere Aufgabe anzunehmen („mit meinen Pfunden zu wuchern", wie die fromme Stimme in mir es nennt).

Und dann nähert sich mein Zyklus seinem Ende. Ich zähle die Tage und warte auf die Symptome, ich horche in mich hinein und versuche zu ignorieren, was ich fühle: Es ist alles so wie immer. Meine Haut wird schlechter, ich bekomme Bauchschmerzen, meine Reizbarkeit ist wie ein grummelndes Monster, das jederzeit aufwachen und losbrüllen kann. Ich warte und hoffe und bilde mir Dinge ein und versuche, realistisch zu bleiben, ich bin enttäuscht und traurig und erleichtert zugleich.
Jeden Monat neu (seit fast einem Jahr…) frage ich mich, wie lange man das aushalten kann. Wie lange ich das aushalten kann. (Denn mir ist klar, dass manche Frauen jahrelang damit leben müssen, dass viele vergeblich warten und hoffen, und dass ich nicht weiß, wie dieser Schmerz sich anfühlt, wenn man ungewollt kinderlos bleibt!)

Dieses Mal war es besonders hart, weil meine Periode sich um zwei Tage verspätete (was absolut unüblich bei mir ist). Hoffnung keimte in mir auf, obwohl die Zeichen ganz eindeutig negativ waren – da hätte es auch keinen Test gebraucht. Es kam mir so vor, als würde mein Körper mir eine Schwangerschaft vorgaukeln wollen, als würde meine Sehnsucht nach einem Kind sich körperlich ausdrücken. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass es auch diesmal nicht geklappt hat. Das durfte einfach nicht sein.

Manchmal bin ich so wütend auf meinen Körper! Warum er nicht funktioniert, warum er nicht das tut, was er soll, wofür er doch gemacht wurde – und was er schon zweimal geschafft hat. Es fühlt sich an wie Versagen, auch wenn meinem Kopf klar ist, dass das überhaupt nichts damit zu tun hat.
Bisher hielt ich das Kinder-zeugen für eine der einfachsten Dinge der Welt: Man liebt sich, man verhütet nicht – man bekommt ein Kind. Ganz natürlich, wie von Anbeginn der Zeit.
Ein Samenkorn fällt in die Erde und kurz darauf schaut ein kleines, zartes Pflänzchen heraus. Easy peasy. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Nicht immer: Auf unserem Balkon habe ich Kapuzinerkresse ausgesät. Von acht Samen gingen sechs auf. Zwei nicht. Ich habe keine Erklärung dafür.
Und genau so ist es auch ein absolutes Mysterium, ob und wann ein Kind entsteht. Wir können es nicht bis ins letzte durchdringen, weil es ein Wunder ist. Weil wir es nicht „machen“ können, weil wir keinerlei Kontrolle darüber haben. Das fällt mir schwer. Richtig schwer. Ich war es gewohnt, mein Leben zu planen und dabei erfolgreich zu sein. Es kam (fast) immer alles so, wie ich es mir gewünscht und vorgenommen hatte. Jetzt bin ich in eine Sackgasse geraten – jedenfalls fühlt es sich für mich oft so an. Es geht nicht vor und nicht zurück und ich kann nichts tun. (Nur vertrauen, flüstert eine leise Stimme mir zu. Vertrau mir!)

Auch für meine Familie ist diese Situation nicht einfach. Eine Mama mit PMS ist eine äußerst ungeduldige, gereizte, unberechenbare Mama. Ich werde schuldig an meinem Mann und an den Kindern und zerfleische mich dabei selbst in Vorwürfen. Auch wenn der Kinderwunsch immer da ist, schwanke ich an PMS-Tagen hin und her zwischen dem sehnsüchtigen Wunsch und der abgrundtiefen Überzeugung, ein drittes Kind sowieso nicht wuppen zu können: Wie soll ich mit drei Kindern zurechtkommen, wenn mir gerade meine beiden schon zu viel sind? Ich bin dafür doch gar nicht geschaffen, ich bin total unfähig als Mutter! Gott verwehrt mir ein weiteres Kind, weil er mich für so ungeeignet hält… ich habe es einfach nicht verdient und werde deshalb nicht schwanger…
Das sind eigentlich die schlimmsten Gedanken. Obwohl mir in meinen etwas klareren Momenten durchaus bewusst ist, dass ich die Situation gerade nicht objektiv beurteilen kann. Schon jetzt, wenige Tage später, sehe ich meinen Alltag mit den beiden Kindern viel realistischer und weiß, dass ich in das Leben mit drei Kindern genauso hineinwachsen kann (und muss) wie in das Leben mit einem und dann mit zwei Kindern.

Obwohl ich schon seit einiger Zeit so stark mit PMS zu tun habe, ist mir noch nicht wirklich gelungen, auf gute Weise damit umzugehen – ich habe keine wirksamen Strategien um das Monster zu besiegen, leider.
Aber ich habe Rettungsanker, die mir an weniger guten Tagen helfen: 


Ich schreibe auf, wofür ich dankbar bin. Das ist immer eine ganze Menge.

Ich schaue mir Fotos von mir mit Babybauch (leider habe ich davon nur sehr wenige) und von unseren Kindern als Babys an. Ich erinnere mich an diese besonderen Zeiten – an das Schöne und an das Schwere – und weiß, dass diese Momente mir niemand mehr nehmen kann. Ich bin dankbar, dass ich dieses Wunder schon zweimal erleben durfte und versuche, mir das genug sein zu lassen. 

Ich genieße meine Kinder. Sie sind keine Babys mehr, aber sie haben immer noch eine unendlich weiche und zarte Haut! Ich genieße es, mit ihnen zu kuscheln, sie anzuschauen, ihnen zuzuhören, mit ihnen unterwegs zu sein. Sie sind die Schätze, die ich habe und die ich liebe – da zählt es überhaupt nicht, ob ich noch einen Schatz dazu bekomme, irgendwann, oder nicht.

Ich genieße das Nicht-Schwanger sein. Vor allem kulinarisch: Hallo, leckerer Räucherlachs, weiches Ei, Rohmilchkäse, Weißweinglas! Und all die Freiheiten, die mit größer werdenden Kindern einher gehen - das wird alles wieder anders, wenn doch noch ein kleiner Schatz zu uns stößt!


Ich singe My Lighthouse von Rend Collective: You are the peace in my troubled sea. Dieses Lied ist Balsam für meine Seele.

Ich schreibe in mein Tagebuch. Alles, was mich bedrückt, fließt aufs Papier und erleichtert mein Herz.

Ich male. Und lasse dabei los. Das gelingt mir immer besser.

Ich lese in der Bibel und finde darin so viel Trost. Und Hoffnung. Ich lese darin, dass ich hoffen darf, denn unser Gott liebt das Leben und er tut Wunder.

Ich nehme Anteil an den Schwangerschaften in meinem Umfeld. Ja, der Anblick runder Babybäuche gibt mir manchmal einen Stich – aber ich merke, dass es mir weniger weh tut, wenn ich mich mit den werdenden Mamas freue. Wenn ich ihnen etwas Gutes tue, wenn ich mit ihnen zusammen staune, wenn ich (so gut es geht) für sie da bin. Ich kann aus meiner Erfahrung schöpfen, mich erinnern und mich über das Wunder freuen (ohne selbst unter Einschränkungen und Beschwerden zu leiden).

Ich versuche, mich auf andere Dinge zu konzentrieren und das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Das fällt mir schwer – aber wenn Plan A nicht aufgeht, muss eben Plan B her. Bald ist Samuel alt genug (zumindest nach meinem Empfinden), um mehr Stunden in der Kita zu verbringen. Dann bricht für mich eine neue Zeit an. Das wird spannend und herausfordernd und ich bin gespannt, was Gott für mich bereithält.